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Das Richthofenwappen des Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ wurde nach der Verleihung des Namens „Richthofen“  am 01.05.39 von Freiherr Adalbert von Rothkirch entworfen. Das Wappen wurde auf die Flugzeuge gemalt, aber nicht an der Uniform oder Fliegerbekleidung getragen.

Das R der heutigen Trageweise unterscheidet sich von dem des Zweiten Weltkrieges

Das Jagdgeschwader Richthofen Nr. 132

1934 - 1938

1. Ein knappes Jahr nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wird am 20. Februar l934 durch den Reichsminister der Luftfahrt, Hermann Göring, die geheime Aufstellung erster Luftwaffeneinheiten verfügt, ein eindeutiger Verstoß gegen die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages.

Gemäß der Verfügung Nr.1090/34 des Luftwaffenamtes wird am 1.7.1934 mit der Aufstellung eines ersten Jagdgeschwaders in Döberitz bei Berlin begonnen.

 

Bereits im Juli 1910 wurde in Döberitz-Elstal die erste deutsche Militärfliegerschule eröffnet, damals bildete ein französischer Farman F.1 Doppeldecker den gesamten Flugzeugbestand, mit dem am 25. JuIi 1910 der Flugbetrieb aufgenommen wurde.

Im April 1911 wurde die Militärfliegerschule in „Lehr- und Versuchsanstalt für Militärflugwesen“ umbenannt, und Ende desselben Jahres standen bereits 22 Flugzeuge für Ausbildungszwecke zur Verfügung. Während des gesamten Ersten Weltkrieges wurde in Döberitz der Pilotennachwuchs geschult und, wie bereits erwähnt, auch Manfred von Richthofen legte hier zu Weihnachten 1915 sein Examen ab.

 

Sechzehn Jahre später beginnen Stab und Vorkommandos dreier geplanter Jagdstaffeln am 1. Mai 1934 mit dem Aufbau eines Geschwaders unter der Tarnbezeichnung  ,,Rek1amestaffe1 (Mitteldeutschland) des Deutschen Luftsportverbandes e.V.“

Die Angehörigen dieser Reklamestaffel gelten vom Zeitpunkt ihrer Ankunft an als von der Reichswehr beurlaubt. Sie tragen zivile Uniformen der Deutschen Verkehrsfliegerschule DVS und erhalten entsprechende zivile Rangbezeichnungen.

 

Bereits am 1. Oktober 1934 hat der Verband die befohlene Sollstärke erreicht und der Geschwaderkommandeur, Major a.D. Kommandant Ritter von Greim, ein Pour-le-mérite-Träger mit 25 Luftsiegen, meldet die Indienststellung des Geschwaders nach Berlin.

Beendet ist die Aufbauarbeit aber noch nicht, Kasernenanlagen in Döberitz werden erst im Verlauf des Winters fertig, der Flugbetrieb mit Arado Ar 65 wird vorläufig von Berlin-Staaken aus durchgeführt. In Döberitz-Elstal wird erst ab Mai 1935 geflogen.

 

Die Tarnung fällt dann mit einem Erlaß vom 26. Februar 1935, hierin wird die Gründung einer Reichsluftwaffe zum 1. März 1935 befohlen, am selben Tag wird die ,,Reklamestaffel Mitteldeutschland“ offiziell als ,,Jagdgeschwader 132“ in Dienst gestellt, von den Geschwaderangehörigen vom gleichen Zeitpunkt an die neue Luftwaffenuniform getragen. Bereits zwei Wochen später, am 14. März 1935 wird dem Geschwader durch Adolf Hitler die Bezeichnung „Jagdgeschwader Richthofen Nr.132“ verliehen.

 

Am 1. April 1935 wird eine zweite Gruppe des Jagdgeschwaders unter Major Raithel in Jüterbog-Damm aufgestellt, gleichzeitig übernimmt Major von Doering die erste Gruppe in Döberitz-Elstal.

Obwohl beide Gruppen den Namen ,,Jagdgeschwader Richthofen“ tragen, sind sie vorerst noch einzeln dem zuständigen Fliegerführer unterstellt, ein Zusammenschluß unter dem Geschwaderstab in Döberitz erfolgt erst zum 1. April 1936.

 

Am 01.04.36 wird Major Raithel zum Geschwaderkommodore ernannt, Major Viek wird Kommandeur der I. Gruppe, Major von Schönebeck übernimmt die II./132.

Schon damals drehte sich das Personalkarussell recht schnell, bereits am 09. Juni 1936 übernimmt als dritter Kommodore Major von Massow das Geschwader.

 

Ende Juli 1936 herrscht ungewohntes Treiben in Döberitz, General Wilberg und General Milch besichtigen hier die ersten Freiwilligen, die sich gemeldet hatten, um in Spanien auf Francos Seite gegen die Republikaner in den Kampf zu ziehen. Von Döberitz aus geht es für sie zum Lehrter Bahnhof in Berlin, dort werden die Männer in einen Sonderzug verladen, der sie am 1. August nach Hamburg bringt. Mit dem 22.000-Tonnen-Frachtschiff ,,Usaramo“ geht es dann weiter nach Spanien.

Im November 1936 verlegt dann die 2.Staffel des Jagdgeschwaders komplett nach Spanien, mit drei anderen Staffeln wird sie hier zur Jagdgruppe J/88 zusammengefaßt, um mit ihren Heinkel He 51 Jagdmaschinen gegen russische Il-15 und Il-16 zu fliegen.

Auch ein echter Richthofen versieht hier seinen Dienst, Oberstleutnant Wolfram von Richthofen, Chef des Stabes der ,,Legion Condor“, wie der Kampfverband deutscher Soldaten in Spanien genannt wird.

Zahlreiche Jagdflieger sammeln über der iberischen Halbinsel erste Kampferfahrung, darunter auch zwei spätere Kommodores des Jagdgeschwaders, Balthasar und Walter Oesau, der in Spanien seine ersten acht Luftsiege errang.

Vierzehn Flugzeugführer des Verbandes bezahlen diesen, für die deutsche Luftwaffe so wertvollen Erfahrungsschatz, der die Schwächen der mittlerweile veralteten He 51 deutlich macht, mit ihrem Leben.

Im Laufe des Jahres 1937 wird mit der Umrüstung der deutschen Jagdverbände auf die Messerschmitt Bf 109 begonnen, einen Jagdeindecker mit einziehbarem Fahrwerk, dessen Geschwindigkeit allen zeitgenössischen Jägern überlegen ist und mit dem man in Spanien gute Ergebnisse erzielt hatte.

Während der Annexion Österreichs ein Jahr später, erhält die I. Gruppe den Auftrag, Begleitschutz für die einmarschierenden deutschen Truppen zu fliegen. Die eingesetzten Maschinen kehren aber bereits am 17.03.38 nach Döberitz zurück, der friedliche Anschluß der sogenannten „Ostmark“ verläuft ohne Zwischenfälle.

1936 wird unter Oberleutnant Walter Blumensaat eine Nachtjagdstaffel als 10./JG 132 aufgestellt. Ausgerüstet ist diese Einheit mit den alten Arado Ar 68.

Im Juli 1938 wird in Werneuchen mit der Aufstellung der IV./132 unter Major Osterkamp begonnen. Vier Wochen später übernimmt Hauptmann Janke diese Gruppe und verlegt mit ihr am 1. September nach Oschatz, von wo aus während der Besetzung des Sudetenlandes die ersten Einsätze geflogen werden. Am 6.10.38 verlegt die Gruppe weiter nach Karlsbad, am 29.10. nach Mährisch-Trübau. Zu Kampfhandlungen kommt es während dieser Wochen nicht.

Nach diesem Einsatz scheidet die Gruppe am 1. November aus dem Geschwader aus und wird vorläufig in I./133 umbenannt, später wird sie zur I. /JG 77.

Am 12. August 1936 wird in Jüterbog-Damm mit der Aufstellung der III./132 unter Major Bormann begonnen. Nach eingehender Blindf1ugausbildung erfolgt die Umrüstung der Gruppe auf den zweimotorigen Zerstörer Messerschmitt Bf 110.

Auch diese Gruppe verläßt den Verband, am 1. November 1938 wird sie zur II./JG 141, der späteren I. Gruppe des Zerstörergeschwaders 76.

Parallel zur Aufstellung der III. Gruppe verläuft die Blindflugausbildung der II. Gruppe, die Umrüstung der Gruppe auf Bf 110 schließt sich an.

Am 1. November scheidet auch diese Gruppe aus dem Verband aus, nach Umbenennung in I./JG 141 wird sie später als I./ZG 1 Keimzelle eines weiteren Zerstörerverbandes.

Mit dieser Umorganisation der Luftwaffe im November 1938 wird das nur noch aus Stab und I. Gruppe bestehende Richthofen-Geschwader kurzzeitig in „Jagdgeschwader Richthofen Nr.131 umbenannt.

Im Januar des nächsten Jahres wird in Döberitz mit der Aufstellung einer reinen Nachtjagdstaffel, der 10./JG 131, begonnen, unterstellt wird diese Staffel der I. Gruppe.

 

Das Jagdgeschwader Richthofen Nr. 2

Der Beginn des 2. Weltkrieges

 

2.  Nach einer weiteren Neugliederung der jungen deutschen Luftwaffe am 1.5.39 erhält das Geschwader seine endgültige Bezeichnung „Jagdgeschwader Richthofen Nr.2“.

 

Am 31. August 1939 trifft gegen 21:00 Uhr ein Fernschreiben beim Geschwader ein. ,,Ostmarkflug: 1.9.39, Quelle Uhr 45 Minuten“.

Mit diesem Text beginnt für die Döberitzer der Zweite Weltkrieg, Auftrag des Jagdverbandes: Schutz der Reichshauptstadt gegen feindliche Luftangriffe

In der Nacht beginnt der deutsche Überfall auf das benachbarte Polen.

Eine gute Woche später verlegt die 1./JG 2 nach Rostken/Ostpreußen, von hier aus fliegen die Messerschmitt Bf 109 der Staffel lediglich einen Einsatz gegen polnische Bodenziele, eine gegnerische Jagdwaffe existiert zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr.

Das weitere Kriegsgeschehen erlebt das Jagdgeschwader an der Westfront.

 

Im September kommt es über Berlin zu einem tragischen Unglück. In der Nacht vom 16. auf den 17. September starten Messerschmitt Bf 109 D und Arado Ar 68 des JG 2 zu einer Nachtjagdübung über der Reichshauptstadt.

Zwei der eingesetzten Maschinen, eine Messerschmitt der I./JG 2 und eine Arado der 10. (N)/JG 2 geraten dabei in die Scheinwerferkegel der schweren Flak-Batterien des Flak-Regimentes 12, die im selben Sektor eingesetzt werden. Das gleißende Licht blendet die Besatzungen der Jagdflugzeuge so stark, daß die Maschinen kollidieren und abstürzen; beide Flugzeugführer, Leutnant Endrejad und Unteroffizier Keller, kom­men dabei ums Leben.

Anfang November verlegt das Geschwader mit etwa 40 Maschinen auf den Flugplatz Frankfurt/Main-Rebstock, von hieraus wird zu ersten Kampfeinsätzen gestartet.

So auch am 22. November, als die 3. Staffel für zwei Dornier Do 17 Begleitschutz stellt. Südlich Saarbrücken werden die deutschen Bomber von französischen Jägern angegriffen, im folgenden Luftkampf schießen OFw Kley und Lt Wick zwei Curtiss ab. Beide werden für diese ersten Luftsiege des JG 2 mit dem EK II ausgezeichnet.

 

- 1940 -

Mitte Februar 1940 wird eine IV. Gruppe des JG 2 aufgestellt, diese, von Major Blumensaat geführte Gruppe, ist von Anfang an als reine Nachtjagdgruppe vorgesehen.

Die 10./JG 2 verlegt in dieser Zeit unter Oberleutnant Johannes Steinhoff nach Wangerooge, die 12./JG 2 unter Hauptmann Baczilla bezieht den Fliegerhorst Marx.

Während die I./JG 2 bereits die ersten Einsätze fliegt, wird in Zerbst mit der Aufstellung der II. Gruppe begonnen, diese Gruppe verlegt im März 1940 nach Nordholz bei Cuxhaven, wo sie für die Dauer des Einsatzes dem JG 1 unterstellt wird und Küstenschutz fliegt

Die in Magdeburg aufgestellte III. Gruppe des JG 2 verstärkt ab April 1940 die I. Gruppe in Frankfurt/Rebstock.

lm selben Monat übernimmt Oberstleutnant von Bülow die Führung des Geschwaders.

 

3. Am 10.Mai 1940 beginnt der Westfeldzug.

Der Geschwaderstab verlegt nach Wengerohr bei Trier, die I. Gruppe verteilt sich auf die Plätze Kirchberg und Dockendorf, während die III. Gruppe in Ferschweiler bei Echternach einfällt. Die II. Gruppe wird von Nordholz nach Münster beordert und gegen Ziele in den Niederlanden eingesetzt.

 

Den rasch vorrückenden Bodentruppen folgend, verlegt das Geschwader in den folgenden Wochen zunächst über Bastogne nach Signy-le-petit, dann weiter nach Couvron bei Laon.

Anfang Juni trifft auch die II. Gruppe in Honceau-le-Vast bei Laon ein, das Geschwader ist damit wieder komplett.

 

Bis zum Waffenstillstand im Westen am 25. Juni, den das Geschwader in Marigny bei Sézanne erlebt, werden bei 652 Einsätzen 235 alliierte Flugzeuge abgeschossen und weitere 60 am Boden zerstört.

 

Ende Juni verlegt das JG 2 nach Beaumont-le-Roger, die III.Gruppe Ende September nach Le Havre, der Verband bezieht damit das Einsatzgebiet, das er bis auf wenige Ausnahmen, bis zum Ende des Krieges behalten wird.

 

Kennzeichnend für die gute Stimmung unter den bislang siegesgewohnten Piloten ist ein Zitat aus einem Brief des Leutnant Votel (I./JG 2 vom 27.6.1940:

,,Wir liegen jetzt in der Bretagne in einem alten Chateau.Hoffentlich kommen die Tommies in Scharen, damit die Maschinengewehre nicht rosten. Keiner will auf Urlaub.“

Und ahnungsvoll: “Wir baden im Mer-du-Nord, um uns ans Salzwasser zu gewöhnen.“

Zum Baden sollten in den nächsten Monaten viele deutsche Jagdflieger Gelegenheit finden.

 

Die IV. Gruppe nimmt nicht am Aufmarsch gegen die britischen Inseln teil, sie wird Anfang Juli 1940 dem Nachtjagdgeschwader 1 als III./NJG 1 unterstellt.

 

Am 11. August 1940 wird das Geschwader zum ersten Mal aktiv in die Luftkämpfe über England verwickelt; acht Maschinen gehen dabei verloren, fünf Geschwaderangehörige werden als vermißt gemeldet, ein verlustreicher Auftakt der Kämpfe.

 

In den nächsten Wochen vergehen mit „freier Jagd“ über Dorset, Hampshire und Sussex gegen die britische Jagdabwehr oder Begleitschutzeinsätzen bei Angriffen deutscher Bomber auf Portsmouth und Southampton.

Der Kommodore des Geschwaders, Oberstleutnant von Bülow wird für diese Einsätze als erster Soldat des JG 2 mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

 

Kurz darauf muß von Bülow das Jagdgeschwader am 02. September an Major Schellmann übergeben; dies geschieht auf Befehl Hermann Görings, der, unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Luftschlacht, beinahe alle alten Kommodores ablösen läßt

 

Während des sogenannten ,,Blitzes“, der Angriffe auf London im September 1940 verlegen Stab, I. und II. Gruppe nach Mardyk, die III. Gruppe nach Oye Plage bei Calais.

Von diesen Feldflugplätzen glaubt man die deutschen Bomber wirkungsvoller schützen zu können - eine trügerische Hoffnung, wie die folgenden Wochen zeigen sollen.

Obwohl die Besatzungen des Geschwaders hohe Abschußzahlen melden können, fordern die täglichen Kämpfe einen hohen Blutzoll von der deutschen Luftwaffe.

 

4. Einem der Flugzeugführer des JG 2, Oberleutnant Helmut Wick, dem nun nach 20 Luftsiegen das Ritterkreuz verliehen wird, steht in den nächsten Wochen und Monaten ein kurzer und kometenhafter Aufstieg bevor.

Helmut Wick trat 1936 im Alter von 21 Jahren in die Luftwaffe ein, nach abgeschlossener Flugzeugführerausbildung wird er zur 3./JG 133 versetzt.

Als das JG 133 im Rahmen der Neugliederung der Luftwaffe in JG 53 umbenannt wird, erhält Leutnant Wick seine Versetzung zur 3./JG 2 ,,Richthofen“. Mit dieser Staffel erlebt er den Kriegsbeginn an der Westfront, wo er am 22. November 1939 mit einem französischen Jäger vom Typ Curtiss Hawk den ersten Abschuß verbucht.

Bei Winterbeginn erhalten die Bf 109 E der I./JG 2 eine angepaßte Tarnung, statt wie bisher dunkelgrün werden die Rumpfseiten in hellblau bemalt, erhalten darüber weiße Tupfen. Die Flugzeuge der 3.Staffel tragen zusätzlich ein einheitliches Emblem auf der Moterabdeckung, einen blauen Wimpel mit der Aufschrift ,,HORRIDO“, der von Oberleutnant Strümpell eingeführt worden war.

Auch später als Geschwaderkommodore wird Helmut Wick diesen Wimpel auf seiner Maschine tragen, was dazu führen soll, daß dieses Emblem ihm fälschlich als persönliches Abzeichen zugeschrieben wird.

 

Über Dünkirchen trifft Wick im Mai zum ersten Mal auf die neuen, den Bf 109 zumindest gleichwertigen Spitfire-Jäger, was ihn aber nicht daran hindert bis Mitte Juni 1940 insgesamt 13 Abschüsse zu erzielen, darunter auch eine Swordfish des Royal Fleet Arm.

Diese Erfolge werden mit dem EK 1 gewürdigt, darüber hinaus wird er am 21. Juli zum Oberleutnant befördert und zum Staffelkapitän der 3./JG 2 ernannt.

Entgegen den üblichen Gepflogenheiten, als Staffelkapitän auch eine Maschine mit der Nummer ,,1“ zu fliegen, behält er seine gewohnte gelbe ,,2“ auf dem Flugzeug.

Während der Luftschlacht über England steigt Wick zum Hauptmann und Gruppenkommandeur der I./JG 2 auf; auch jetzt fliegt er noch seine Maschine mit der Werknummer 5344, nur muß seine ,,2“ durch die doppelte Lanze ersetzt werden, die das Flugzeug des Gruppenkommandeurs kenntlich macht.

Bis zum 05. Oktober 1940 bringt es Wick auf 41 Luftsiege und zum Eichenlaub; am 20.Oktober übernimmt er dann als Nachfolger von Wolfgang Schellmann die Führung des Geschwaders.

 

Am 31.Oktober 1940 endet die „heiße Phase“ der Luftschlacht, sie hat das JG 2 bis zu diesem Zeitpunkt zweiundzwanzig tote oder vermißte F1ugzeugführer gekostet; 281 gegnerische Flugzeuge wurden im Ver1auf der Kämpfe abgeschossen.

Auch nach dem offiziellen Ende der Luftschlacht über England gehen die Kämpfe mit unveränderter Härte weiter, wie auch ein Gefechtsbericht Major Wicks vom 06.11.1940 zeigt:

„Heute hat es wieder einmal schwer hingehauen. Wieder treffen wir einen Haufen Hurricanes an, die tiefer fliegen als wir.

Als ich gerade zum Angriff ansetze, sehe ich etwas über mir und rufe sofort: Achtung! Spitfire über uns!

Sie waren aber noch so weit weg, daß ich den Angriff auf die Hurricanes noch ansetzen konnte. Die machten gerade eine Kehrtkurve und das war ihr Verderben. Fast zur gleichen Zeit schossen wir vier aus dem Haufen ab. Einer kommt auf mein Konto. Die übrigen Hurricanes drückten weg, zogen dann aber wieder hoch. Dabei erwischte ich wieder den Rechtsaußen, der sofort dran glauben mußte. Die Hurricanes brausten jetzt endgültig nach unten weg.

Ich kann das heute nicht mehr sagen, was das mit mir war an diesem 6. November. Ob ich nicht ganz auf der Höhe war oder ob meine Nerven nicht mehr mitmachen wollten. Als mein zweiter Engländer unten lag, wollte ich nach Hause. Ich hatte wohl noch für einige Minuten Sprit gehabt, aber das Verlangen, nach Hause zu fliegen, wurde plötzlich übermächtig. Es war auch mit den wenigen Minuten Zeitreserve ohnedies nicht viel anzufangen.

Als wir die Kehrtkurve ausgeflogen haben und nun Kurs Heimat hielten, sehe ich doch tatsächlich unter mir drei Spitfires. Sie kommen offensichtlich von See her. Ich habe sie als erster gesehen, bin schnell dran und schon fällt der erste.

Aber nun sage ich mir: Runter mit den Kerlen! Lasse ich diese beiden Engländer heute laufen, schießen sie mir morgen einen Kameraden ab. Also weg mit Ihnen. Ich biß die Zähne zusammen und setzte zum nächsten Angriff an. Auch der zweite fiel nach wenigen Feuerstößen.

Nun war nur noch einer übrig. Leider hatte ich meine Kanonenmunition verschossen, also mußte er mit MG-Feuer herunter. Er zeigte bald die weiße Fahne, das Zeichen des kommenden Benzinbrandes. Anscheinend war auch der Pilot getroffen, denn die Maschine ging ungesteuert weg, fing sich aber dann bald wieder, so daß ich ihr den Rest geben mußte. Mit einer müden Bewegung schmierte die Spitfire über die Fläche ab und zerschellte in der Tiefe.

Nun war es wahrhaftig höchste Zeit, nach Hause zu fliegen. Ich wagte nicht mehr, fünfmal um den Platz zu wackeln, aus Sorge, daß der Brennstoff jeden Augenblick zu Ende sein könnte. Als ich aus der Maschine sprang, habe ich den ersten umarmt, der mir in die Quere lief.“

Am 28. November 1940 wird Helmut Wick nach 56 Luftsiegen über Portsmouth selbst abgeschossen.

Nach dem Abschuß einer britischen Spitfire setzt sich FltLt. John Dundas, DFC, 6509 Sqn. mit seiner Spitfire X 4586 hinter Wicks Messerschmitt und schießt sie ab. Wenig später fällt er selbst den Geschossen von Oberleutnant Rudi Pflanz zum Opfer, auch er stürzt brennend ab. Helmut Wick und John Dundas werden seither vermißt.

Hauptmann Greisert, Gruppenkommandeur II.Gruppe, übernimmt stellvertretend die Geschwaderführung.

 

- 1941 -

5. Während des Winters 1940/41 rüstet das JG 2 auf die neue Bf 109 F um, gleichzeitig werden drei Staffeln, die 2.,6. und 7., im Bombenwerfen ausgebildet.

 

Am 16.Februar 1941 übernimmt Oberleutnant Balthasar die Führung des Geschwaders.

 

Ende März verlegt die II./JG 2 zum Schutz der deutschen Großkampfschiffe nach Brest;

die I. Gruppe fällt gleichzeitig in Théville bei Cherbourg, die III.Gruppe in Rocquancourt bei Caen ein.

Zur Jahresmitte werden alle verfügbaren Luftwaffenverbände zur Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion nach Osten verlegt. Nur zwei Jagdgeschwader, die Jagdgeschwader 2 und 26, beläßt man am Kanal. Zur besseren Koordination der Einsätze werden Anfang Juni 1941 die Einsatzräume der beiden Geschwader neu gegliedert; Stab/JG 2 und III. Gruppe verlegen nach St. Pol, die II./JG 2 nach Abbeville-Drucat, die I. Gruppe bleibt in Brest.

Fast gleichzeitig beginnt eine britische Bomberoffensive gegen die französischen und belgischen Industriegebiete.

Jeder einsatzbereite Flugzeugführer der beiden deutschen Jagdgeschwader im Westen muß nun bis zu fünfmal am Tage zu Abwehreinsätzen starten.

Diese Belastungen fordern zwangsläufig Opfer; am 2.Juli kann sich so eine Spitfire hinter die Messerschmitt Hauptmann Balthasars setzen, Kanonenmunition prasselt in das deutsche Flugzeug, eine Tragfläche bricht ab und steuerlos trudelt die Maschine nach unten, ohne daß sich der Pilot daraus befreien kann.

Acht Tage nach dem Tod des Kommodore erreicht das Geschwader mit 644 Abschüssen die Abschußzahl des Jagdgeschwader 1 aus dem Ersten Weltkrieg.

Doch dieser Krieg geht weiter, und bereits am 24.Juli fliegen Maschinen des JG 2 gegen eine Formation von etwa 80 bis 90 Bombern, die Brest angreifen, bei 5 eigenen Verlusten werden hierbei 23 britische Maschinen abgeschossen.

 

Am 28.Juli übernimmt Major Walter Oesau die Geschwaderführung.

 

November 1941 wird die III. Gruppe nach Théville verlegt, Stab und II. Gruppe verlegen nach Brest, die I. Gruppe bezieht Morlaix in der Bretagne.

Während des Winters wird unter Oberleutnant Liesendahl eine neue Jabo-Staffel aufgestellt, die 10./JG 2, aus Gründen der Tarnung zeitweilig 13./JG 2 genannt, deren Aufgabe die Bekämpfung von Schiffszielen ist.

 

- 1942 –

Unternehmen „Cerberus“

6. Im Vorfeld des Unternehmens „Cerberus“, der Verlegung deutscher Großkampfschiffe von Brest nach Wilhelmshaven, verlegen Stab und I. Gruppe JG 2 nach Calais-Marck, die II. Gruppe bezieht den Flugplatz Coxyde.

Am l1. Februar 1942 laufen die schweren Marineeinheiten „Schamhorst“, „Gneisenau“ und „Prinz Eugen“ in den Abendstunden aus, die Schlachtschiffe werden dabei neben Einheiten der Kriegsmarine von 176 Jagdflugzeugen und Zerstörern der Jagdgeschwader 2, 26 und 1 geschützt, mindestens 16 Maschinen kreisen ständig über den Schiffen.

Das Auslaufen der Schiffe bleibt den Briten zunächst verborgen, erst am 12. Februar um 10:35 Uhr sichtet Sergeant Beaumont, Pilot einer Spitfire den Verband vor Le Touquet.

Um 12:50 Uhr passieren die Schiffe bereits die Enge Dover-Calais, und erst eine halbe Stunde später setzt der erste Artilleriebeschuß ein - Treffer werden dabei aber nicht erzielt.

Kurz darauf greifen britische Torpedoboote an. Sie werden von deutschen Schnellbooten und Begleitzerstörern abgewehrt.

Gegen 13:30 Uhr greift die Swordfish-Staffel Nr.825 unter Lt.Cmdr. Esmonde den Verband auf Höhe von Gravelines an, aber auch dieser Luftangriff dringt nicht durch. Alle sechs Torpedo-Bomber werden von den Messerschmitts des JG 2, die zu dieser Zeit über den Schlachtschiffen stehen, abgeschossen.

Es ist 15:30 Uhr, als „Schamhorst“ vor der Scheldemündung auf eine der Minen läuft, die von veralteten Hampden-Bombern abgeworfen worden waren; mit dem dadurch hervorgerufenen Ausfall aller Generatoren ist das Schiff zwar kurzzeitig ohne Energie, es gelingt jedoch „Scharnhorst“ wieder fahrbereit zumachen.

Danach erfolgt ein Angriff zweier Zerstörer-Flottillen aus Harwich auf „Prinz Eugen“ und „Gneisenau“, der von den Großkampfschiffen aber abgewehrt wird; ein letzter Fliegerangriff beendet gegen 17:00 Uhr die britischen Aktivitäten.

In Höhe Terschelling läuft auch „Gneisenau“ noch auf eine Mine, kann aber mit unveränderter Geschwindigkeit den Marsch fortsetzen.

Um 22:25 Uhr erhält „Scharnhorst“ einen zweiten Minentreffer, der sie für eine halbe Stunde außer Betrieb setzt, danach kann das Schlachtschiff aber wieder mit 12 Knoten Fahrt weiterhinken.

In den frühen Morgenstunden des 13. Februar laufen  „Gneisenau“ und  „Prinz Eugen“ in die Elbmündung ein,  „Scharnhorst“ gelangt sicher nach Wilhelmshaven.

Während  „Cerberus“ ist das JG 2 neunmal mit 16, und einmal mit 17 Flugzeugen über dem Flottenverband, bei diesen Einsätzen werden 12 Feindflugzeuge sicher, 8 wahrscheinlich abgeschossen. Eigene Verluste sind nicht zu beklagen.

Einer dieser Einsätze wird in einem Bericht an die Luftflotte West vom 13.02.1942 geschildert:

„Weit hinten aus dem Dunst taucht eine Maschine auf. Ganz niedrig kommt sie mit einer Brassfahrt an, halbe Schleife über dem Platz, sie wackelt! Sekunden später sitzt sie bereits auf der Landebahn, rollt näher, Ofw. Pf... (vermutlich Pfeifer oder Pfeffer) springt heraus.

Rasch eine andere Maschine, Kanone unklar! schreit er und springt schon auf eine Box zu, in der eine Me startklar steht.

Während der 1.Wart die Maschine anläßt, prasseln die Fragen auf Pf. ein.

Kinder, laßt mich in Ruhe, ich muß weg! Ja, zwei Abschüsse! Eine Viermotorige und eine Hurricane! Und schon brüllt der Motor auf. Beim zweiten Einsatz takelte Pf. noch eine Spitfire ab.

Er erzählt: Die fliegenden Festungen haben ja eine tolle Bewaffnung. Die britischen Jäger schienen zum größten Teil ganz junge Häschen gewesen zu sein, sie kurbelten wie die Verrückten, konnten aber nicht viel ausrichten. Für meine Viermotorige habe ich drei Anflüge gebraucht. Im Schutze seiner eigenen Fläche spuckte ich ihm den Laden voll. Erst kamen ganz dünne Fädchen von den Motoren, dann wurden sie dicker und qualmiger. Dann mußte ich vor einer dieser Bienen türmen, aber es hatte gereicht, der Bomber fiel brennend ins Meer. Die Hurricane und die Spitfire kamen mir gerade so vor die Rohre und da nahm ich sie mit.“

Nach diesen Einsätzen verlegen Stab und 4. Staffel nach Brest-Nord, II./JG 2 und 10./JG 2 nach Beaumont-le-Roger und III./JG 2 nach Cherbourg zurück.

Die I./JG 2 bleibt bis Ende März in Holland und bezieht dann Le Havre.

Der Royal Air Force kosten die erfolglosen Angriffe auf die deutschen Schlachtschiffe insgesamt 42 Flugzeuge.

Insbesondere die neuen Focke-Wulf Fw 190 der III./JG 26 fordern während „Cerberus“ hohe Verluste auf Seiten der Engländer, die Überlegenheit des neuen deutschen Jagdflugzeuges erweist sich als so groß, daß Reichsmarschall Hermann Göring persönlich befiehlt, keine Fw 190 den Ärmelkanal überfliegen zu lassen. Damit soll verhindert werden, daß das Flugzeug bei einer möglichen Notlandung dem Gegner in die Hände fällt.

 

- Focke Wulf 190 -

7. In Großbritannien reift währenddessen der Entschluß, bei einem Kommandounternehmen eines dieser Flugzeuge zu entführen, um es anschließend in England zu untersuchen.

Doch kurz vor Beginn des Einsatzes verhilft der Zufall den Briten zu einem willkommenen „Geschenk“.

Am frühen Abend des 23. Juni 1942 fliegen zwölf Boston-Bomber, die bei diesem Einsatz von Spitfires der 310. und 312. Squadron begleitet werden, einen Angriff gegen Morlaix.

Jagdmaschinen der III. Gruppe des JG 2 fangen die Briten bereits über dem Ärmelkanal ab und verwickeln die Spitfires des Begleitschutzes in heftige Einzelkämpfe.

Unteroffizier Wilhelm Reuschling, 7./JG 2, gelingt es einen britischen Jäger zu treffen, dieser explodiert noch in der Luft und beschädigt die hinter ihm fliegende Focke-Wulf des Deutschen so schwer, daß sich der Pilot mit dem Fallschirm retten muß.

Oberleutnant Arnim Faber, Gruppenadjutant der III./JG 2, wird von dem tschechischen Flight Sergeant Frantisek Trejtnar angegriffen und von den übrigen Maschinen der Gruppe getrennt. Faber gelingt es jedoch, sich hinter die Spitfire zu setzen und sie abzuschießen, Trejtnar steigt mit dem Fallschirm aus. Der Deutsche umkreist den langsam zu Boden pendelnden Tschechen, winkt ihm kurz zu und fliegt in nördlicher Richtung davon; Trejtnar bricht sich bei der recht unsanften Landung das rechte Bein, seine Spitfire, Kennung BL 517, schlägt nahe dem Dorf Blackdog auf und brennt aus. Während des Luftkampfes war es Faber entgangen, daß er den britischen Kanal überflogen hatte, er überfliegt den Bristol-Kanal und sieht sich dann, im Glauben über Frankreich zu sein, nach einem Feldfugplatz um.

Mit einer perfekten Siegesrolle donnert er über Pembrey, einen RAF-Flugplatz in Süd-Wales, kurvt ein und landet ahnungslos; ein Irrtum, der von dem Zufall, daß an diesem Abend kein einziges britisches Flugzeug auf dem Rollfeld steht, noch begünstigt wird.

Sergeant Jeffreys, ein britischer Pilot nimmt den völlig verduzten Faber fest, der nicht glauben will, daß er in England gelandet ist und unter Schock noch zwei Stunden nach seiner Landung mit seinen Bewachern französisch sprechen will.

Mitte Mai 1942 wird die 1. Staffel in 11. Staffel umbenannt und zur Höhenstaffel mit Bf 109 G ausgerüstet. Sie wird nacheinander von St. Pol und Poix aus eingesetzt.

In Théville wird dafür eine neue 1.Staffel aufgestellt.

In dieser Zeit geht die Umrüstung des übrigen Geschwaders auf Fw 190 zügig voran.

 

- Der 1000. Luftsieg -

8. Am 17.April 1942 gelingt dem Jagdgeschwader Richthofen Nr.2 ein besonderer Abschuß. Zwölf viermotorige Lancaster-Bomber starten am Nachmittag dieses Tages zu einem Einsatz, der sie quer durch ganz Frankreich bis nach Augsburg führt, wo sie es auf das MAN-Dieselmotorenwerk für U-Boote abgesehen haben. Ein Präzisionsangriff, der nur bei Tageslicht möglich ist.

Der Bomberverband legt die ganze Strecke im Tiefflug zurück und entgeht der deutschen Radar-Frühwarnung, erst Luftraumbeobachter alarmieren die deutsche Abwehr.

Staffeln des JG 2  „Richthofen“ starten darauf in aller Hast, jagen den Briten hinterher und treffen südlich von Paris auf die Bomber, dabei gelingt Uffz. Pohl von der 5./JG 2 der 1.000. Abschuß des Geschwaders. Im Bericht Nr.16 der Luftflotte wird dieser Einsatz wie folgt geschildert:

„Gefechtsalarm! Die Männer rennen zu ihren Maschinen, schwingen sich hinein, haken die Fallschirmgurte ein. Eine kurze Stille auf dem Platz, dann brüllen die Motoren auf, rollen die ersten Schwärme an und schließlich verklingt das Dröhnen der Jagdmaschinen in nördlicher Richtung.

Hochbetrieb im Gefechtstand. Bald wissen wir, daß die Tommies vorzeitzig abgedreht sind. Die ersten Maschinen landen wieder.

Da, was ist dort am gegenüberliegenden Platzrand los? Wahrhaftig, viermotorige britische Bomber! Drei, nein sechs! Im Tiefflug ziehen sie vorbei, langsam, wie klobige Karpfen anzuschauen. Sieht denn keiner unserer landenden Jäger die Bomber? Doch da hat schon die nächste Maschine die Bomber entdeckt.

Schon im Landen begriffen, startet sie durch, klappt das Fahrwerk ein und jagt nach. Andere folgen, einige gelandete gehen nochmals hoch. Sie stürzen sich auf die Bomber, schon stürzt einer aus geringer Höhe nach unten. Schwarzer Rauch quillt hoch. Der zweite zerbirst wie ein glühender Stern in der Luft, gleich darauf zeigt eine dritte Rauchwolke das Schicksal des Dritten an. Drei schwarze Rauchpilze stehen am Horizont.

Die Jäger kehren zurück, kurven wackelnd über den Platz. Dann steigen sie freudestrahlend aus den Maschinen:

Hptm. Greisert             998. Abschuß

Fw. B.                                        999. Abschuß

Uffz. Pohl                                1.000. Abschuß

Zuletzt rollt der Kommodore Oesau an. Er hat den vierten Bomber erwischt. Er hatte sich 10 m über die Liberator gesetzt und zerschoß ihr die zwei linken Motoren.

 

Die übrigen acht Bomber erreichen Augsburg; in der Abenddämmerung fallen ihre Bomben auf das MAN-Werk, drei weitere Lancaster werden dabei von der Flak abgeschossen.

Nur fünf Maschinen kehren im Schutz der Dunkelheit nach England zurück, ein hoher Preis für einen kurzfristigen Produktionsausfall des Werkes.

 

9. Frühjahr und Sommer 1942 bringen eine beständige Zunahme der alliierten Bombereinflüge, gleichzeitig mehren sich Angriffe gegen Ziele im Herzen Deutschlands.

Belastungen, die während der Luftschlacht über England auf britischen Schultern lagen, bekommen nun die deutschen Jagdflieger zu spüren. Verluste bleiben nicht aus, und bei einem Abfangeinsatz am 04.Mai fällt Hauptmann Prestele, Kommandeur der I./JG 2.

 

Aber noch bestehen die deutschen Jagdflieger in den täglich härter werdenden Einsätzen; allein am 03. Juni 1942 werden 24 britische Maschinen von Flugzeugen des Jagdgeschwader „Richthofen“ abgeschossen. Oberleutnant Schnell erzielt an diesem Tag innerhalb von zehn Minuten vier Luftsiege, Oberleutnant Mayer, Oberleutnant Rudorffer und Oberfeldwebel Wurmheller holen jeweils zwei Briten vom Himmel, und Oberleutnant Leie schießt seinen 48. und Oberleutnant Pflanz seinen 44. Gegner ab.

 

Auch die 10./JG 2, die im Winter aufgestellte Jagdbomberstaffel unter Hauptmann Liesendahl, erzielt in diesen Monaten Erfolge gegen die britische Kanalschiffahrt, bis zum 26. April versenken die Piloten 20 Handelsschiffe mit insgesamt 63.000 Bruttoregistertonnen.

Auch diese Einsätze fordern ihren Tribut; am 17. Juli kehrt der Staffelkapitän von seinem 142. Feindflug nach einem Angriff auf einen Frachter vor Brixham nicht zurück; ihm wird noch posthum das Ritterkreuz verliehen.

Die Führung der Staffel übernimmt Oberleutnant Schröter, mit ihm verlegt die Staffel im Juli nach St. André.

 

Am 31. Juli 1942 startet die 1.Staffel um 14:52 Uhr mit sieben Maschinen unter der Führung von Oberleutnant Rudi Pflanz zur Abwehr eines Feindverbandes Richtung Abbeville.

Die alliierten Bomber werden wie gewöhnlich durch starken Jagdschutz gedeckt, in 2500 Metern Höhe kommt es zu heftigen Kämpfen zwischen den Jägern. Während der Kurbelei mit den britischen Spitfires verliert sich die Staffel; Oberleutnant Pflanz und sein Rottenflieger, Feldwebel Gruber, greifen nördlich der Somme-Mündung mehrere Spitfires an.

Gruber wird bei diesem Luftkampf abgeschossen, kann sich aber durch Fallschirmabsprung retten. Sein Rottenführer bemerkt den Abschuß des Kameraden aber nicht, er hat sich hinter eine Spitfire gesetzt und schießt auf den britischen Jäger, bis er über die Fläche abkippt und zu Boden stürzt.

Aber im nächsten Augenblick erfassen sechs britische Browning-Maschinengewehre seine Messerschmitt, reißen ihr den Tank auf und das Flugzeug zerplatzt in einem gewaltigen Feuerball, der Flugzeugführer kommt dabei in den Flammen um.

 

- Operation „Jubilee“ -

Bereits am 9. August 1942 wird dem Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall von Rundstedt mitgeteilt, daß in Kürze mit einem alliierten Landeunternehmen an der französischen oder belgischen Küste zu rechnen sei.

Auffällige Schiffsansammlungen vor der südenglischen Küste stützen die, durch den Beobachtungsdienst der Kriegsmarine gewonnenen Erkenntnisse.

Daraufhin befiehlt Hitler persönlich die Verlegung starker Truppenkontingente von der Ostfront an die Kanalküste.

 

Eine gute Woche später beenden die britisch-kanadischen Truppen unter dem Kommando von Lord Louis Mountbatten die Vorbereitungen für „Jubilee“, wie die Briten das geplante Landeunternehmen an der französischen Küste nennen.

Ein markaberer Zufall will es , daß an diesem 17. August im Hauptquartier der Luftflotte 3 eine Planübung einer feindlichen Landung bei Dieppe abgehalten wird - bereits dieses Sandkastenspiel endet mit einem Debakel für den Angreifer.

 

Zwei Tage später, am Morgen des 19. August wird aus dem Spiel bitterer Ernst, über 6.000 Mann der 2. kanadischen Division landen beiderseits des Hafens von Dieppe; unterstützt werden die Kommandotruppen von 30 Kampfpanzern, 252 Kriegsschiffen und 74 Staffeln der RAF und der 6. USAAF.

Da die Deutschen diese Landung erwarteten und gut vorbereitet sind, haben die Angreifer keine Chance - drei Stunden nach Beginn des Angriffs hat das Infanterieregiment 571 die alliierten Truppen ins Meer zurückgeworfen.

Die Kanadier verlieren dabei 68 Prozent der eingesetzten Truppen, davon 1179 Gefallene, 2190 Gefangene bleiben in Frankreich zurück.

 

Neben den hohen Verlusten an Menschenleben kostet „Jubilee“ die Alliierten einen Zerstörer, 33 Landungsfahrzeuge, 106 britische und acht US-Kampfflugzeuge.

Die deutschen Verluste betragen 591 Mann an Personal, darunter 311 Tote, einen U-Boot-Jäger der Kriegsmarine und 48 Jagdflugzeuge.

Das Jagdgeschwader 2 erzielt an diesem Tag über Dieppe 59 sichere und 7 wahrscheinliche Abschüsse, acht eigene Flugzeuge gehen verloren.

 

Ein eindrucksvolles Beispiel für den Einsatzwillen der deutschen Jagdflieger gibt an diesem Tag der Oberfeldwebel Josef Wurmheller. Obwohl er mit einem gebrochenen Fuß in seiner Unterkunft liegt, humpelt er zu seiner Maschine und startet mit den Kameraden, als die Meldung von der alliierten Landung die Staffel erreicht.

Dieser erste Einsatz endet zwar mit einer Notlandung und einer leichten Gehirnerschütterung, aber Wurmheller ist nicht zu bremsen, mit einem Wehrmachtsfahrzeug kehrt er schon wenig später zu seiner Staffel zurück und startet wieder.

Diesmal hat er mehr Erfolg, zwei Spitfires und eine Bristol Blenheim fallen ihm zum Opfer, wackelnd kehrt er danach zum Platz zurück. Auftanken und Nachladen, Wurmheller startet erneut, schießt drei weitere Spitfires ab, und holt dann bei einem vierten Einsatz noch eine Spitfire vom Himmel - sieben Abschüsse an einem Tag!

Für diesen außergewöhnlichen Erfolg wird Wurmheller zum Leutnant befördert und mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet.

 

Aber nicht nur die Jagdstaffeln fügen dem Gegner Verluste zu, die 10./JG 2 versenkt vor Dieppe die HMS Berkeley, einen Zerstörer und zwei Landungsschiffe. Ein weiterer Zerstörer, die HMB Calpe wird schwer beschädigt.

Für diese Erfolge wird der Staffelkapitän Oberleutnant Fritz Schröter mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

 

Der Oberleutnant Leie gehört zu denen, die an diesem Tag erfolgreich sind, sein Bericht ist erhalten geblieben:

„Nachdem die Verlegungen von den nächtlichen Ausweichhäfen Rouen-Boos und Dreux durchgeführt waren, kam die I./JG 2 von Triqueville aus zum Einsatz gegen die bei Dieppe gelandeten englisch-kanadischen Truppen. Das britische Unternehmen wurde mit starker Unterstützung der RAF durchgeführt. Die Engländer hatten ständig etwa 30 - 40 Jäger im Kampfraum und griffen mit Blenheim, Whirlwind und Hurricane im Tiefflug unsere Küstenbefestigungen an.

Das Geschwader flog wegen seiner geringen Einsatzstärke schwarmweise, wobei die ersten Einsätze keine wesentlichen Erfolge brachten, da die englischen Staffeln gut zusammenflogen und auch ausgezeichnet deckten und alle Angriffe rechtzeitig erkannten.

Beim dritten Einsatz kam ich um 11:50 Uhr 5 km nördlich Dieppe auf eine Spitfire zum Schuß, die hell brennend mitten unter die Landungsboote fiel.

Während ich den Angriff meines Rottenfliegers auf eine Spitfire deckte, bekam ich Treffer von hinten oben in Rumpf und Fläche. Ich drückte stark nach unten weg. Als ich mich umsah, erkannte ich über mir eine Spitfire, die nach rechts oben wegzog.

Ich entschloß mich zur Notlandung und schwebte auf einen Acker an, erkannte aber die flachen Stahlhelme der Engländer, die dort in Deckung gegangen waren.

Ich kam wieder auf Höhe. 20 km vor Abbeville wurde die Rauchentwicklung sehr stark und die Munition explodierte. Im Moment des Kabinenabwurfs stand die Maschine in hellen Flammen. Aus 500 m sprang ich ab, hatte aber Verbrennungen im Gesicht und am rechten Arm. Durch große Thermik über einem Getreidefeld geriet ich in starke pendelnde Bewegung. In 200 m konnte ich das Zusammenklappen des Fallschirms nur dadurch verhindern, daß ich mich an den Halteseilen hochzog und dem Schirm dadurch eine größere Belastung gab.

 

10. Am 06. September verlegt die III./JG 2 nach Poix, von wo aus sie gegen alliierte Bomberverbände startet und innerhalb kurzer Zeit 22 Abschüsse erzielen kann, darunter auch einige Boeing B 17, Flying Fortress II, das Flugzeugmuster, das zwei Jahre später den Himmel über Deutschland beherrschen soll.

 

Am 31. Oktober nehmen Messerschmitt Bf 109 F der 10. Staffel an einem Angriff auf die englische Bischoffstadt Conterbury teil, dieser Einsatz, der unter dem Decknamen  „Unternehmen Schröter" durchgeführt wird, dokumentiert die Unfähigkeit eigenen Bombern Jagdschutz zu geben, die Jäger müssen nun selber Bomben auf England werfen.

 

Anfang November wird der Kommandeur der III./JG 2 , Hauptmann Hans „Assi“ Hahn an die Ostfront versetzt, sein Nachfolger wird Oberleutnant Egon Mayer.

 

Die Teilnahme des Geschwaders am Afrikafeldzug der Wehrmacht beginnt am 6.11.42 mit einer Verlegung der mit B~ 109 F-4 ausgerüsteten 11.Staffel, der Höhenstaffel, nach Afrika, wo sie Anfang Dezember dem Jagdgeschwader 53 unterstellt wird.

 

Nach der alliierten Landung in Nordafrika, Codename „TORCH", muß jedoch das gesamte Jagdgeschwader umgruppieren; Stab und I./JG 2 gehen mit der 10.(JaboG)/JG 2 nach Marseille, um einer eventuellen Landung in Südfrankreich zu begegnen, die II./JG 2 verlegt über Sizilien nach Tindja in Tunesien.

 

Die III./JG 2 bleibt in Nordfrankreich, sie übernimmt von Vannes aus den Schutz der deutschen U-Boot-Stützpunkte Lorient und St. Nazaire. Bei einem amerikanischen Angriff am 23. November 1942 auf die U-Boot-Bunker werden von ihr aus dem Angriffsverband drei Fortress II, eine Consolidated Liberator und eine Short Stirling abgeschossen, dabei gehen drei Bomber auf das Konto des Gruppenkommandeurs.

 

- Das Jagdgeschwader „Richthofen“ in Afrika -

 

11. Während der Abwehrkampf über Nordfrankreich den gewohnten Gang geht, erleben die nach Afrika verlegten Maschinen der II./JG 2 eine andere Art der Kriegführung, auf diesem Kriegsschauplatz vollziehen sich die Kämpfe wie in einem riesigen Sandkasten, ein offener Schlagabtausch zwischen den beteiligten Armeen, jedoch ohne die in Europa üblichen Leiden unter der Zivilbevölkerung.

Bereits am 21. November greifen acht Focke-Wulf Fw 190 der II./JG 2 mit einigen Bf 109 den Feldflugplatz der 81. Squadron an. Sie überraschen hier ein paar gerade startende Spitfires. Drei Spitfires werden abgeschossen, fünf weitere beschädigt. Oberleutnant Bühlingen erzielt bei diesem Angriff den ersten Luftsieg der Gruppe in Afrika. Die Deutschen verlieren eine Messerschmitt im Luftkampf, eine zweite wird durch Flak abgeschossen.

 

Eine Woche nach diesem erfolgreichen Auftakt trifft die Gruppe der erste Verlust, bei einem Alarmstart in Bizerta rammt eine Messerschmitt des JG 53 eine Focke-Wulf der 5./JG 2, der Flugzeugführer der Messerschmitt kommt bei diesem tragischen Unfall ums Leben, der Pilot der 5.Staffel, Feldwebel Bossecket wird verwundet.

 

Am 30. November greifen neun B-29 Bomber der 319. Squadron Gabes an; eine der Marauders fällt dabei den Kanonen einer Fw 190 der II. Gruppe zum Opfer.

 

Zwei Tage später treffen Spitfires der 72. Squadron über Djedeida auf vier Focke-Wulf des JG 2, eine davon wird durch Oberleutnant Bühlingen abgeschossen. Am nächsten Tag schickt Bühlingen zwei weitere Briten nach unten, zwei von vier P-38 Lightning, die die II. Gruppe an diesem 3. Dezember verbuchen kann.

Dafür werden Leutnant Baensch von der 5./JG 2 und Leutnant Bleymüller von der 6./JG 2 bei einem weiteren Luftkampf abgeschossen und verwundet.

 

Am 18. Dezember 1942 starten um 10:10 Uhr Spitfire der 72. und der 152. Squadron zu einem Begleitschutzauftrag für zwölf amerikanische A-20 Boston, die einen Angriff auf den Flugplatz Mateur fliegen.

In knapp 8000 m Höhe trifft der Verband auf deutsche Jagdflugzeuge, nach heftiger Kurbelei stürzen zwei Messerschmitt und eine Fw 190 brennend ab.

Dann sitzt Leutnant Rudorffer hinter einer Spitfire, trifft den Engländer so schwer, daß das Flugzeug mit einer Rauchfahne nach unten geht. Der Pilot, Wing Officer Charnock, landet seine brennende Maschine bei Abiod und kommt gerade noch aus dem Flugzeug, bevor die Spitfire in Flammen aufgeht. Auch Bühlingen ist an diesem Tag mit dem Abschuß von zwei P-38 „Lightning“ erfolgreich.

 

Der zweite Weihnachtstag sieht einen Angriff der 97. Bomber Group auf Bizerta. Nach heftigem Flakbeschuß über dem Ziel werden die Bomber zudem von Jagdflugzeugen der II./JG 51 und der II./JG 2 attackiert. Eine Flying Fortress wird dabei abgeschossen, eine zweite legt bei Souk-el-Arba eine Bruchlandung hin. Zwei P-38 des Begleitschutzes verlängern die Verlustliste der Engländer an diesem Weihnachtstag.

 

- 1943 -

Am 8. Januar 1943 schießt Rudorffer südlich Pichon ein Boston-Kampfflugzeug ab, der Unteroffizier Marx schickt zwei P-38 zu Boden und auch Oberleutnant Bühlingen und Leutnant Goltzsch melden einen Abschuß. Die Gruppe büßt dafür Oberfeldwebel Pfeifer von der 5./JG 2 ein, der südwestlich Kairouan von einer P-40 abgeschossen und tödlich verwundet wird.

 

Schon am nächsten Tag trifft ein weiterer Verlust die Gruppe. In Kairouan überschlägt sich die Maschine des Unteroffiziers Schulze beim Start, der Pilot kann aber verletzt aus dem zertrümmerten Flugzeug geborgen werden.

Am 11. Januar verliert Unteroffizier Sonntag auf demselben Feldflugplatz während des Starts die Kontrolle über seine Maschine, das Flugzeug kippt ab und zerschellt in der Wüste, Sonntag rettet sich im letzten Augenblick mit dem Fallschirm.

 

Eine Woche nach diesen glimpflichen Unfällen begleiten über ein Dutzend P-38 der 48. Squadron einen B-26-Verband, der einen Einsatz gegen Schiffsziele vor der Mittelmeerküste fliegt.

Als die Bomber vor Enfidaville ein deutsches Küstenmotorschiff angreifen, stürzen sich Focke-Wulfs der II./JG 2 aus Überhöhung auf die überraschten Briten. Sofort nehmen die Lightnings den Kampf mit den Deutschen auf, ermöglichen den Bombern das Entkommen. Die 48. Squadron verliert dafür eine P-36, die durch Leutnant Rudorffer abgeschossen wird.

 

Am 21. Januar steigen in Thelepte elf P-40 zu einem Erkundungseinsatz auf, acht Maschinen übernehmen dabei die Deckung für die restlichen drei, in Bodennähe aufklärenden Warhawks.

Um 09:45 Uhr überfliegen die Briten einen deutschen Flugplatz bei Kairouan, vier Focke-Wulf ziehen hier bei einem Alarmstart lange Staubfahnen hinter sich her, machen dadurch die P-40 auf sich aufmerksam. Acht Jagdflugzeuge stürzen sich auf die steigenden Deutschen, Kanonen hämmern, dann bohrt sich die Maschine des Unteroffiziers Heinz Gabler von der 4./JG 2 krachend in den Boden.

Während die zu tieffliegenden Aufklärer sich dem Gefecht entziehen, schlagen sich die anderen Warhawks weiter mit den Deutschen herum, eine von ihnen muß später wegen Spritmangel bei Gafsa bruchlanden, eine weitere geht durch einen Flaktreffer verloren, doch auch hier überlebt der Pilot den Abschuß.

 

Am ersten Februartag steigen deutsche und italienische Jäger zur Abwehr eines Fortress-Verbandes der 97. Bomber Group auf. Die amerikanischen Bordschützen beanspruchen nach diesem Luftkampf den sicheren Abschuß von vier Maschinen sowie zwei weitere wahrscheinliche Abschüsse.

 

Auch ein Flugzeug der II./JG 2 wird von dem heftigen Abwehrfeuer getroffen, rammt führerlos einen der Bomber und reißt ihm dabei das halbe Höhenleitwerk weg. Anschließend rast das Jagdflugzeug frontal in einen zweiten Bomber hinein, verglüht mit ihm in einem gewaltigen Feuerball.

Der zuvor getroffenen B-17 gelingt trotz der schweren Beschädigung der Rückflug und die sichere Landung auf dem Einsatzplatz, eine beachtliche Leistung des Piloten.

 

Sechs Spitfire der 243. Squadron begleiten am 3.Februar zwei Spitfire-Aufklärer in den Raum Kairouan-Pichon-Ousseltia. Auf dem Rückflug werden die sehr tieffliegenden Spitfires von acht Fw 190 der II./JG 2 aus Kairouan angegriffen.

Drei Maschinen der Eskorte und ein Aufklärer werden abgeschossen, aber dies ist erst der Auftakt.

Am Nachmittag überraschen zwölf Focke-Wulfs eine Anzahl britischer Jäger, die deutsche Marschkolonnen im Tiefflug angreifen; vor den Augen zahlreicher Augenzeugen werden nahezu alle beteiligten P-40 der 33. und P-39 der 81. Fighter Group abgeschossen.

Oberleutnant Bühlingen erzielt an diesem Tag mit einer Spitfire, zwei P-40 und zwei P-39 insgesamt fünf Luftsiege.

 

Am nächsten Tag starten um 15:20 Uhr zwölf Spitfire der 52. Fighter Group in Thelepte, je sechs Spitfires der 4. und 5. Squadron schließen sich ihnen kurz darauf an. Der Auftrag dieses starken Verbandes ist der Begleitschutz für fünf P-39 auf einem Erkundungsflug in den Raum Sbeitla-Fondouk.

 

Südlich von Ousseltia sichten die Briten in 750 m Höhe zwei Focke-Wulf Fw 190, die aber sofort in den Wolken verschwinden.

Sie ziehen hoch, folgen den beiden Deutschen und sehen sich, nachdem sie durch die Wolkendecke gestoßen sind, zwei kompletten Schwärmen Focke-Wulfs gegenüber.

Lieutenant Williamson eröffnet sofort das Feuer und beobachtet auch Treffer bei zwei Maschinen. Die erste bleibt hinter der Formation zurück, die zweite zeigt eine schwarze Rauchfahne. Williamson geht auf 460 m hinunter, will sich wieder seinem Verband anschließen, als er abermals Deutsche sichtet. Er setzt sich hinter sie und gibt hastig einen Feuerstoß ab, worauf bei einer Focke-Wulf das rechte Fahrgestell herausfällt und sie schwarzen Rauch zeigt.

Dann erwischt es den Engländer, Leutnant Rudorffer setzt sich unbemerkt hinter Williamson und gegen 16:10 Uhr geht die Spitfire in Spiralen herunter, der Pilot steigt verwundet aus.

Lieutenant Pederson, der seinen am Fallschirm niederpendelnden Kameraden leichtsinnigerweise umkreist, wird von Rudorffer als nächster abgeschossen. Der Aufschlag dieser Spitfire erfolgt nur zwei Minuten nach Williamssons Abschuß südwestlich von Kel-el-Abur.

 

Der 9. Februar wird zu einem überaus erfolgreichen Tag für die II./JG 2; nur sechs Flugzeugführer der Gruppe erzielen insgesamt 16 Luftsiege an einem Nachmittag, acht davon Leutnant Rudorffer.

Gegen 14:00 Uhr greift ein starker Bomberverband die um Kairouan gelegenen deutschen Landeplätze an. Hier startet sofort eine in Sitzbereitschaft gehaltene Staffel, steigt auf eine Höhe von 6500 m und greift den im Anflug befindlichen Feindverband, der aus 24 B-17 Bombern und etwa 60 Begleitjägern besteht, an.

Während die Bomber eilig abdrehen, bilden die P-40 des Begleitschutzes einen Abwehrkreis, den Rudorffer aber durchbricht. Innerhalb der nächsten sieben Minuten gelingen ihm sechs Abschüsse.

Später entdeckt Rudorffer einige P-36, die Bordwaffenangriffe auf Bodenziele fliegen, und kurvt auf sie ein. Zweimal greift er an und schießt zwei Lightnings südlich von Maktar ab.

 

Am 15.Februar überschlägt sich wieder eine Focke-Wulf in Kairouan beim Start, der Pilot, Unteroffizier Weitgruber wird dabei verwundet. Rudorffer verzeichnet an diesem Tag sieben Luftsiege, Bühlingen meldet drei Abschüsse.

 

Am 21.Februar greifen Flugzeuge der II./JG 2 Bodenziele im Tiefflug an, die Maschine des Oberfeldwebels Jacob erhält bei diesem Angriff Flaktreffer. Jacob kann seine beschädigte Focke-Wulf noch nach Kairouan zurückfliegen, riskiert aber keine Landung, sondern steigt mit dem Fallschirm aus.

 

Zwei Tage nach Jacobs Absprung belegen britische Kampfflugzeuge Kairouan mit Bomben, Oberleutnant Wolf von Bülow, Staffelkapitän der 5./JG 2 kommt bei diesem Angriff ums Leben, sein Nachfolger wird Leutnant Lothar Werner.

 

Am 8. März greifen Focke-Wulf der II./JG 2 vier von Le Kef gestartete Spitfire der 307. Squadron an. Zwei Engländer werden nahe Pichon abgeschossen  dann setzt sich eine Spitfire hinter die Fw 190 des Unterofiziers Engelbrecht. Geschosse schlagen in seine Maschine, die abtrudelt und in der Wüste zerschellt, ohne daß sich Engelbrecht retten kann.

Unteroffizier Sonntag hat hingegen Glück, er wird zwar bei diesem Luftkampf verwundet, kann sein Flugzeug aber noch sicher landen

 

Am folgenden Donnerstag hat die II:/JG 2 ihre letzte Feindberührung über diesem Kriegsschauplatz

 

Kurz nach Mittag stoßen sie ostwärts Ousseltia auf Spitfires, nach einem letzten Luftkampf beansprucht Leutnant Rudorffer zwei Luftsiege, Oberleutnant Bühlingen meldet einen Abschuß.

 

Während ihres Einsatzes in Nordafrika beanspruchen die Flugzeugführer der II./JG 2 den Abschuß von 150 alliierten Flugzeugen bei 18 eigenen Verlusten.

 

- Zurück an der Westfront -

12. Am 17. März trifft die II./JG 2 wieder in Beaumont-le-Roger ein; hier gibt sie ihre Focke-Wulf Fw 190 ab, und wird dafür wieder mit Messerschmitt Bf 109 ausgerüstet.

 

Im Frühjahr 1943 verläßt die 10.(Jabo)/JG 2 das Geschwader, sie wird an das Schlacht-Kampfgeschwader 10 abgegeben. Dafür werden die drei Gruppen des JG 2 durch je eine weitere Jagdstaffel, die 10., die 11. und die 12. verstärkt. Die Eingliederung dieser Staffeln ist mit der Neuordnung des Geschwaders am 01. Oktober 1943 abgeschlossen.

 

Am 01.07.43 wird Major Egon Mayer, der Kommandeur der III. Gruppe, Nachfolger des ausscheidenden Major Oesau.

 

Im Dezember 1943 liegt der Geschwaderstab in St.André, die I./JG 2 in Conches, die II./JG 2 in Creil und III./JG 2 startet von Cormeilles-en-Vexin zu ihren Einsätzen.

 

- 1944 -

Im Januar 1944, kurz nachdem das Geschwader den 2.000 Luftsieg verbuchen konnte, verlegt die I./JG 2 nach Aix in Südfrankreich und im Februar weiter nach Italien, wo sie von Castiglione und Canino aus gegen die in Süditalien gelandeten alliierten Truppen eingesetzt wird.

 

Auch im Norden geht der Krieg unvermindert weiter; am 21. Februar greifen 446 Viermotorige der 8th US-Air-Force die Jägerproduktionsstätten bei Oschersleben, Halberstadt, Aschersleben, Bernburg und Gotha an, weitere Ziele sind Kugellagerwerke in Schweinfurt.

Zwar werden 41 Bomber bei diesem Angriff abgeschossen, der über dem Zielgebiet von über 500 Langstreckenjäger gedeckt wird, aber die Verluste der deutschen Verteidiger wiegen schwerer.

Flugzeuge der Jagdgeschwader 2 und 3 müssen zur Abwehr des Angriffs von Frankreich auf die Fliegerhorste Rheine-Hopsten, Twente und Venlo verlegen, starten gegen die Viermotorigen und bezahlen diesen Einsatz mit dem Verlust von zehn Flugzeugen.

Insgesamt werden an diesem Tag 59 deutsche Jagdflugzeuge abgeschossen

 

Bei einem weiteren Einflug amerikanischer Bomber wird Oberstleutnant Egon Mayer am 02. März 1944 von Begleitjägern P-47 „Thunderbolt“ bei Montmedy abgeschossen; mit 25 bestätigten Abschüssen viermotoriger Bomber war der Kommodore des JG 2 zu diesem Zeitpunkt der Viermot-Spezialist der Luftwaffe.

 

Bereits am 06. März 1944 folgt ein weiterer amerikanischer Tagesangriff, diesmal auf die Reichshauptstadt Berlin.

Am Morgen erhalten die in Frankreich liegenden Jagdgeschwader 2 und 26 Befehl zum Alarmstart und zum „Sperrefliegen“ über Reims, um den Süden Deutschlands gegen anfliegende Bomberkräfte zu decken, diese nehmen jedoch Kurs auf Berlin.

Nach diesen, ohne Feindberührung verlaufenden Einsätzen verlegen die Maschinen auf Feldflugplätze im Raum Wiesbaden/Mannheim.

Gegen 13:40 Uhr starten 17 Bf 109 der II./JG 2 aus Wiesbaden-Erbenheim und 10 Fw 190 der III./JG 2 aus Mannheim-Sandhofen gegen die auf dem Rückflug befindlichen Bomber; gegen 14:50 Uhr haben die Maschinen bei Lingen nahe der deutsch-holländischen Grenze Feindberührung, kurbeln augenblicklich mit den Begleitjägern der Amerikaner herum.

Die Bf-109 G des Unteroffizier Sens wird bereits nach fünf Minuten von einer P-47 der 355. Jagdgruppe abgeschossen, der Flugzeugführer kann sich aber verwundet mit dem Fallschirm retten.

Wenig später springt Oberfeldwebel Morzinek aus seiner schwer getroffenen Maschine, pendelt am Fallschirm zur Erde, und Oberleutnant Schädle wird zu einer Notlandung auf einer Wiese bei Hopsten gezwungen.

Zwei weitere Bf 109 der II./JG 2 werden bei den Luftkämpfen beschädigt, können aber sicher auf Feldflugplätzen landen.

 

Die Amerikaner verlieren in diesem nur wenige Minuten dauernden Gefecht über Lingen sieben B-17 und eine P-47. Insgesamt kostet der Großangriff die 8. Luftflotte 69 Bomber der Typen B-17 und B-24 sowie 11 Begleitjäger P-38, P-47 und P-51, dabei fallen 42 Bomber und 10 Jagdmaschinen den deutschen Jägern zum Opfer. Die Luftwaffe bezahlt diese Erfolge mit dem Verlust von 66 Flugzeugen; und obwohl sie den Amerikanern hohe Verluste zugefügt hat, ist dies nur ein Pyrrhussieg, denn die Alliierten können diese Verluste ersetzen1 die Deutschen sind dazu nicht mehr in der Lage.

 

Nach dem Tod von Oberstleutnant Mayer übernimmt am 20.3.44 Major Ubben die Führung des Jagdgeschwaders 2.

Ubben wird jedoch schon am 27.4.44 im Luftkampf mit P-47 abgeschossen und getötet. Wenige Tage danach wird Major Bühlingen der letzte Geschwaderkommodore.

 

Anfang Mai kehrt die I. Gruppe aus Italien nach Frankreich zurück, eine willkommene Verstärkung, denn die Personallage ist kritisch; bei Beginn der alliierten Invasion im Juni 1944 verfügt das Geschwader gerade über 59 Piloten, denen jedoch nur 33 Flugzeuge zur Verfügung stehen.

Nach Rückkehr der II./JG 2, die zur Auffrischung in Gütersloh lag, meldet das Geschwader am 20.6.44 63 Piloten mit 37 Flugzeugen einsatzbereit.

Die Verluste sind entsprechend hoch, bereits am 12.7.44 muß die aus nur noch 5 einsatzbereiten Piloten bestehende III.Gruppe zur Auffrischung nach Königsberg/Neumark verlegen, wo sie bis zum 15.10.44 verbleibt.

 

13. Der Rückzug des Geschwaders, das während der Abwehrkämpfe im Verlauf der Operation „Overlord" nahezu aufgerieben wurde, nach Deutschland beginnt am 25. August.

Der Weg führt über Reims, St.Trond und Asch nach Wiesbaden, wo die Reste des Verbandes am 4.9.44 eintreffen.

Dem Geschwader werden die Plätze Nidda, Merzhausen und Altenstadt als neue Standorte zugewiesen, die Verlegung auf die neuen Flugplätze erfolgt bereits am 6. September.

 

Ende 1944 wird begonnen die Jagdgeschwader mit der neuen Fw 190 D-9  „Langnase“ auszurüsten, aber selbst diese Maßnahme verhilft der arg gebeutelten Luftwaffe nicht mehr, die Initiative im Westen zurückzugewinnen.

 

Am 16.Dezember 1944 beginnt die deutsche Wehrmacht eine groß angelegte Offensive im Westen, Heeresverbände treten in der Eifel zum Gegenstoß an, die bereitgestellten Luftwaffenverbände bleiben wegen starkem Nebel am Boden.

 

Erst am Sonntag, dem 17. kommt es zu heftigen Luftkämpfen über dem Operationsgebiet; alliierte Jagdbomber vom Typ Lightning und Thunderbolt setzen den deutschen Bodentruppen heftig zu, die Luftwaffe versucht den eigenen Truppen etwas Luft zu verschaffen.

So kommt es über dem deutsch-belgischen Grenzgebiet zu Kämpfen zwischen Flugzeugen der I./JG 2 mit amerikanischen Thunderbolts, die von der Gruppe einen hohen Tribut fordern.

Leutnant Elser, Gefreiter Eube, Fähnrich Selpin und Leutnant Snobeck bleiben seit diesem Tag vermißt; Oberfeldwebel Nowak und der Gefreite Rebmann müssen aus ihren Maschinen aussteigen.

Auch die II./JG 2 muß Federn lassen, Oberfähnrich Kowalski gerät nach seinem Abschuß bei Krinkelt (Belgien) in Kriegsgefangenschaft, Feldwebel Fester rettet sich nach Flaktreffer mit dem Fallschirm aus seiner Maschine und landet bei Adenau.

Für den Gefreiten Frischer endet ein Luftkampf mit Thunderbolts nahe Bitburg tödlich.

 

Bereits am Montag treffen Flugzeugführer der II. und III. Gruppe wieder auf Thunderbolts, diesmal Maschinen der 365. und 368.Fighter Group. Feldwebel Pfeiffer fällt und der Obergefreite Melda bleibt nach diesem Luftkampf über Aachen vermißt, neben diesen zwei Messerschmitts geht noch eine Fw 190 A-8 der III. Gruppe verloren.

 

Am 23.Dezember greifen 624 zweimotorige Bomber vom Typ A-26  „Invader“ und B-26  „Marauder“ deutsche Eisenbahneinrichtungen im Frontgebiet an; etwa 60 Marauder der 9. Luftflotte fliegen einen Angriff gegen die Bahnanlagen von Ahrweiler, dabei stoßen sie auf deutsche Jagdkräfte und büßen 16 Maschinen ein.

Vier Flugzeugführer der I./JG 2 und II./JG 2 werden von Begleitjägern abgeschossen, ein Pilot, Oberfähnrich Kusche verunglückt schon beim Start in Nidda tödlich.

Oberfähnrich Aickelin versucht nach dem Luftkampf mit seiner arg zerschossenen Messerschmitt Bf 109 G-14 eine Notlandung in Köln-Wahn, überschlägt sich mit seinem Flugzeug und wird verletzt.

Die III./JG 2 verliert fünf Flugzeugführer, darunter Unteroffizier Burger von der 12. Staffel, er bohrt sich mit seiner neuen Fw 190 D-9 bei Meckenheim in den Boden - Pilot und Flugzeug werden dort erst im Januar 1966 geborgen.

Elf Totalverluste des Jagdgeschwaders 2 sind ein untragbarer Tribut für den bescheidenen Abwehrerfolg an diesem Vormittag.

 

Auch am Heiligen Abend 1944 gehen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter, Kampfflugzeuge der 8. USAAF belegen fünf Flugplätze im Großraum Gießen mit Bomben: Ettingshausen, Gießen, Merzhausen, Nidda und Kirch-Göns.

Messerschmitts des JG 2 steigen auf, um die eigenen Plätze zu schützen, dabei kommt es zu heftigen Kämpfen mit Begleitjägern vom Typ P-51  „Mustang“; drei Flugzeugführer des Geschwaders kommen ums Leben, ein weiterer wird in Merzhausen bei dem folgenden Bombenangriff getötet.

 

Über die Weihnachtstage flaut die Kampftätigkeit etwas ab, wozu nicht zuletzt das schlechte Wetter beiträgt; das Jagdgeschwader 2 erleidet keine Verluste.

Diese kurze Atempause ist am 27. Dezember vorüber, ein Tausend-Bomber-Angriff gegen das Rheinland führt zu heftigen Abwehrkämpfen; die deutschen Verluste betragen an diesem Tag fünfzig Flugzeugführer, wobei das JG 2 mit zwei Verwundeten relativ ungeschoren davonkommt. Nach einem Luftkampf mit Mustangs steigt Unteroffizier Trefzer nördlich Antweiler mit dem Fallschirm aus, und der Fahnenjunkerfeldwebel Alfred Richter macht mit seiner Bf 109 G-14 bei Brühl eine Notlandung.

 

Unternehmen „Bodenplatte“

- 1945 -

14. Am Morgen des 01. Januar 1945 erfolgt gegen 09:20 Uhr der Start zum Unternehmen „Bodenplatte“ gegen Flugplätze, Bodenorganisation, Radaranlagen und Gefechtsstände des Gegners, an dem 1305 deutsche Maschinen 13 britische und vier amerikanische Feldflugplätze in Nordfrankreich, Südholland und Belgien angreifen.

Am frühen Morgen des 1. Januar verlassen die Flugzeugführer der I./JG 2 ihre Quartiere in Altweilau, Niederlauken und Wilhelmsdorf, werden zum Einsatzplatz der Gruppe nach Merzhausen gefahren.

Selbst die Staffelkapitäne hatten erst an diesem Morgen das Angriffsziel erfahren, so daß die Einweisung der etwa 30 Flugzeugführer nur sehr knapp ausfällt. So starten die Männer mehr oder weniger ins Ungewisse, leiden teilweise unter den Nachwirkungen der vergangenen Silvesterfeier.

Trotz der recht großen Geschwaderstärke von über neunzig Flugzeugen, wobei die I. und III./JG 2 mit den nagelneuen Focke-Wulf FW 190 D-9 ausgerüstet sind, wird der geplante Einsatz für das Jagdgeschwader Nr.2 „Richthofen“ zum Fiasko.

Eine Stunde nach dem Start um 08:00 Uhr überfliegt das Geschwader, nachdem es sich mit Jagdbombern des Schlachtgeschwaders 4 getroffen hat, die Ardennen, nimmt Kurs auf den Flugplatz St. Trond in Belgien. Bereits vor dem Überfliegen der Front hat das Geschwader den ersten Ausfall, bei einer Focke-Wulf der III./JG 2 quillt über dem Westerwald plötzlich dunkler Rauch aus dem Motor, zieht als lange Fahne hinter dem Flugzeug her, dann schlagen Flammen aus dem Triebwerk und Minuten später stürzt die Maschine ab, schlägt bei der 0rtschaft Dierdorf auf, ohne daß sich der Pilot daraus befreien konnte.

Über dem Frontgebiet geraten die Staffeln des JG 2 in heftiges Flak-Feuer, fünf Maschinen des Geschwaders werden hier abgeschossen, zwei Flugzeugführer kommen dabei ums Leben, die drei anderen geraten in Gefangenschaft.

Dann erreichen die deutschen Kampfflugzeuge St. Trond, greifen den Flugplatz, auf dem Thunderbolts zweier amerikanischer Jagdstaffeln stehen, im Tiefflug an.

Flak-Feuer schlägt den Angreifern auch hier entgegen, führt zu weiteren Verlusten; sechs Jagdflugzeuge des Geschwaders zerschellen nach Treffern am Boden, fünf Flugzeugführer fallen, einer gerät in amerikanische Gefangenschaft.

Nach diesem verlustreichen Angriff drehen die deutschen Flugzeuge Richtung Norden ab, überqueren bei Venlo die Reichsgrenze und sind wieder über eigenem Gebiet; hier verliert die 10. Staffel ihren sechsten Piloten: Leutnant Christfried Clemens kommt mit seiner Focke-Wulf D-9 bei Mierlo, südlich von Helmond herunter.

Damit sind zwei Staffeln des Geschwaders, die 4. und die 10./JG 2, um die Hälfte dezimiert worden. Der Gesamtverlust beträgt rund 40 Prozent der am Einsatz beteiligten Maschinen: 23 gefallene oder vermißte, zehn in Gefangenschaft geratene und vier verwundete Flugzeugführer.

 

Die deutsche Luftwaffe verliert bei diesen Einsätzen etwa 300 Flugzeuge und 232 Mann fliegendes Personal, wobei ein großer Teil der Maschinen den Kanonen der 16. Flakdivision zum Opfer fällt, die wegen strikter Geheimhaltung des Einsatzes nicht über die Route der zurückkehrenden Verbände unterrichtet wurden, 239 alliierte Flugzeuge sollen am Boden und etwa 70 in der Luft vernichtet worden sein.

 

Allein das Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ verliert von Beginn der Ardennenoffensive am 16.12.44 an bis zum Ende des  Unternehmen „Bodenplatte“ am 1.1.45 insgesamt 78 Piloten; diese Verluste sind nicht mehr aufzufangen.

 

- Das Ende -

15. Nach diesem letzten Großeinsatz erschöpft sich die Kraft der deutschen Jagdverbände in nicht enden wollenden Abwehrkämpfe gegen alliierte Einflüge in das Reichsgebiet.

Am 16. Januar 1945 starten so auch zwölf P-47 „Thunderbolt“ der 388. Squadron von Metz-Frescaty zu einem Jagdvorstoß in den Raum Worms. Hier stoßen die Amerikaner auf Focke-Wulfs der I./JG 2 aus Merzhausen und Messerschmitts der I./JG 4 aus Darmstadt-Griesheim, insgesamt etwa 25 Maschinen.

Unter Ausnutzung ihres Höhenvorteils werfen die Deutschen ihre Zusatztanks ab und greifen die US-Jäger sofort an.

Bereits nach kurzem Luftkampf wird eine Focke-Wulf, deren Pilot sich mit dem Fallschirm retten kann, abgeschossen; eine andere, die angeschossen im Tiefflug zu entkommen sucht, berührt eine Hochspannungsleitung und verliert dabei die rechte Tragfläche.

Eine weitere Focke-Wulf geht zu Boden, auch hier rettet sich der Flugzeugführer mit dem Fallschirm.

Dann erst trifft es eine P-47, ein kurzer Feuerstoß prasselt in die Thunderbolt, der Pilot wirft das Kabinendach ab und springt aus dem brennenden Flugzeug in die Gefangenschaft.

Wenig später erhält eine D-9 Treffer im Kabinenbereich, legt sich auf den Rücken und stürzt nach unten, sie explodiert auf dem Boden, ohne daß der Pilot vorher aussteigen kann.

Zwei weitere Maschinen des Jagdgeschwaders 2 gehen bei Grünstadt herunter, die Flugzeugführer bleiben nach dem Abschuß vermißt.

Etwas östlich, bei Obersülzen, wird die Focke-Wulf des Unteroffizier Jungenitz abgeschossen; Jungenitz kann zwar noch aussteigen, wird aber später mit zerschossenem Fallschirm tot aufgefunden.

Als die amerikanischen Maschinen nach diesem Einsatz- in Metz-Frescaty landen, geben sie an, in diesem etwa 20 Minuten dauernden Luftkampf bei zwei eigenen Verlusten zehn Fw 190 und fünf Bf 109 abgeschossen zu haben.

Die deutsche Seite gibt dagegen den Verlust von sechs Focke-Wulf und drei Messerschmitt zu, vier Flugzeugführer der I./JG 2 sind dabei gefallen.

 

Am Sonntag, dem 25. Februar starten Teile der I./JG 2 gegen einen „Liberator“-Verband, der sich auf dem Rückflug von einem Angriff auf Aschaffenburg befindet.

Über Groß Umstadt im Odenwald treffen die von Merzhausen gestarteten Deutschen auf den allgegenwärtigen amerikanischen Begleitschutz; zwölf Mustang und sechs Lightning stürzen sich auf die Handvoll „Langnasen“ und schießen zwei von Ihnen ab. Die Flugzeugführer, Unteroffizier Kamman von der 3. und Oberleutnant Rossbach von der 9. Staffel kommen dabei ums Leben.

 

Den letzten verbrieften Kampfeinsatz fliegen Piloten des JG 2 am 2. März 1945 gegen amerikanische „Marauder“.

Am Nachmittag dieses Tages kommt es im Raum Mainz zur Feindberührung mit dem Begleitschutz, gegen 17:30 Uhr schießt eine Lightning Oberfeldwebel Butter und eine Thunderbolt Oberleutnant Hertle ab, beide Flugzeugführer können sich mit dem Fallschirm retten.

Die Unteroffiziere Arck und Brejl sowie der Oberfähnrich Stempel haben weniger Glück, sie kommen beim Abschuß ihrer Focke-Wulfs ums Leben. Der amerikanische Verband verliert bei diesem Angriff einen Bomber.

 

27. Zwischen dem 16. und 26. März 1945 verläßt das Geschwader vor heranrückenden amerikanischen Truppen Hessen. Der Weg führt durch Thüringen und Sachsen zunächst nach Pilsen, Karlsbad und Marienbad.

Von hier wird am 16.4.45 die III. Gruppe mit einigen Piloten aus anderen Gruppen und mit ausgesuchtem technischen und allgemeinem Personal als „Jagdverband Richthofen“ zunächst nach Jüterbog, und von dort weiter nach Rechlin, Schwerin und Leck beordert, wo der Verband am 8.5.45 in Gefangenschaft geht.

Der Rest des Geschwaders verlegt am 16.4. zunächst nach Cham, wo beim Eintreffen der Amerikaner am 23.4.45 Teile der II. Gruppe aufgerieben werden und Personal des Stabes und der I. Gruppe in Gefangenschaft gerät, dann weiter über Regen und Deggendorf nach Pocking, von wo aus noch ein Rotteneinsatz geflogen wird, und dann weiter in den Raum Erding – Holzkirchen - Prien.

 

Am 30.4.45 wird das Geschwader auf einem Bauernhof in Föching aufgelöst.