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Die Geschichte des

„Jagdgeschwader Freiherr von Richthofen Nr. 1“

- 1914 -

Das Attentat eines serbischen Extremisten in Sarajevo stürzt Manfred, und mit ihm Europa, im Spätsommer 1914 in den Wahnsinn des 1.Weltkrieges; es verschlägt den jungen Leutnant nach  Rußland, wo er die ersten Kriegswochen als Kavallerist erlebt.

Seinen ersten Einsatz erlebt Manfred in der Nacht zum 2. August 1914, als er mit einer Patrouille die Garnison im polnischen Ostrowo  verläßt und den Grenzfluß Prosna überschreitet, um in Kielce einen Beobachtungsposten einzurichten.

Hier trifft er nach einigen Tagen mit Resten seiner Abteilung auf russische Kosaken, kann sich aber unbemerkt zurückziehen und erreicht nach Tagen, bereits tot geglaubt, die eigenen Linien.

Kurz darauf wird sein Regiment an die Westfront verlegt, dort wartet ein anderer Krieg auf die Kavalleristen.

 

In den dicht bewaldeten Argonnen, nahe Meix-devant-Virton, gerät von Richthofen zum ersten Mal mit Franzosen aneinander, als Führer einer Patrouille tappt er während eines Aufklärungsrittes in einen französischen Hinterhalt, zehn von seinen fünfzehn Männern kommen bei diesem Gefecht um.

 

- 1915 –

Der Krieg bringt im Westen rasch das Ende für die Kavallerie; Stacheldraht, Schützengräben und Maschinengewehre vereiteln jeden weiteren sinnvollen Einsatz der einstigen Paradetruppe. Auch von Richthofen steigt aus dem Sattel, er wird im September zur Fernmeldetruppe versetzt, wo er Depeschen zustellt und Telefondrähte zwischen den Gräben verlegt.

Es kommt noch schlimmer, im April 1915 erhält er Order, sich beim Nachschubkorps zu melden. Er wird der 18.Infanteriebrigade als Ordonnanzoffizier zugeteilt.

 

3. Die Aufklärung, einst Aufgabe der Kavallerie, wird mittlerweile von der jungen Fliegertruppe wahrgenommen - knatternd brummen wenig vertrauenerweckende Flugapparate über die Frontlinie und versuchen Truppenkonzentrationen und -bewegungen des Gegners zu erkunden.

So meldet sich von Richthofen, wie viele seiner ehemaligen Kameraden von der Reiterei, zur Fliegerausbildung, die er am 6. Juni  1915 bei der Fliegerersatzabteilung Nr. 7 in Köln beginnt, bevor sich zwei Wochen Aufklärerkursus bei der 6.Fliegerersatzstaffel in Großenhain anschließen.

 

Nach Aushändigung des Fliegerabzeichen wird er als Beobachter zur Feldfliegerabteilung 69 erneut an die Ostfront versetzt.

Sie lesen richtig, der Jagdflieger Manfred von Richthofen beginnt seine Karriere im Rücksitz eines Flugzeugs, denn die Mehrzahl der Piloten setzt sich in dieser Zeit aus Unteroffizieren zusammen. Das  Führen eines Flugapparates, so nimmt man in dieser Zeit an, ist vergleichbar mit dem Führen eines Automobils und der Pilot daher ein besserer Kraftfahrer.

Der Beobachter, dessen Aufgabe für die militärische Führung wichtiger scheint und dessen Ausbildung demzufolge als qualifizierter angesehen wird, ist von Beginn an Offizier.

 

Doch keine Regel ohne Ausnahme, Richthofens erster Pilot ist ein Leutnant Zeumer, ein schwer lungenkranker Mann, dem man beim Fliegen anmerkt, daß er einen schnellen Tod qualvollem Siechtum vorzieht - was wiederum von Richthofen wenig behagt.

 

Doch im August wird von Richthofen zur ,,Brieftauben-Abteilung Ostende"  (BAO) versetzt, unter dieser Tarnbezeichnung operiert hier die erste deutsche Bombereinheit, die später in Kagohl 1 (Kampfgeschwader Oberste Heeresleitung) umbenannt werden soll.

 

In dieser Zeit  kauft er einem Belgier eine junge Dogge ab, Moritz, wie er den Hund nennt begleitet seinen Herrn fortan während des ganzen Krieges.

 

Im September 1915 erlebt von Richthofen den ersten Luftkampf, während eines Frontfluges sichtet er einen französischen Farman-Doppeldecker, und sein Pilot, Leutnant Osteroth, dreht sofort auf die feindliche Maschine zu.

Der aufgeregte Beobachter beharkt den Farman mit dem Maschinengewehr, sieht auch kurz darauf den Franzosen abstürzen; Leutnant Manfred Freiherr von Richthofen hat seinen ersten Luftsieg erzielt. Da der Farman aber drei Kilometer hinter den französischen Linien aufschlägt, wird er nicht als offizieller Abschuß anerkannt.

 

Am 1. Oktober 1915 wird von Richthofen zur „Brieftauben-Abteilung Metz“ versetzt, auf der Reise dorthin hat er die Begegnung, die für sein weiteres Leben schicksalhaft ist.

Im  Speisewagen seines Zuges trifft er Oberleutnant Oswald Boelcke, den erfolgreichsten Jagdflieger dieser Tage und bereits nach einem kurzen Gespräch mit diesem Mann steht Manfreds Entschluß Kampfflieger zu werden unerschütterlich fest.

 

In Metz gelingt es von Richthofen seinen alten Kameraden Zeumer zu überreden, ihm auf einem alten Doppeldecker Flugunterricht zu geben und schon nach wenigen Tagen absolviert er seinen ersten Alleinflug, die reguläre Pilotenausbildung durchläuft er ab dem 15.11.1915 in Döberitz, wo er Weihnachten das Pilotenexamen ablegt.

 

- 1916 –

Anschließend fliegt er beim Kampfgeschwader II mit Albatros-Zweisitzer Bomben- und Aufklärungseinsätze, dabei gelingt ihm am 26.04.1916 der Abschuß eines Nieuport-Doppeldeckers, doch auch dieses Flugzeug geht hinter den feindlichen Linien zu Boden.

 

Im Juni 1916 verlegt Manfred mit dem Kampfgeschwader II an die Ostfront, hier werden Bombenabwürfe und Maschinengewehrangriffe auf russische Kosakenabteilungen geflogen, eine gegnerische Jagdabwehr existiert nicht.

Zwei Monate später besucht Hauptmann Oswald Boelcke das Geschwader in Kowel, um geeignete Piloten für seine Jagdstaffel an der Westfront abzuwerben, und von Richthofen folgt gerne der Aufforderung, bei der Jagdstaffel 2 zu fliegen.

Am 2.September 1916 meldet sich Richthofen in Lagnicourt.

 

Am Sonntag, dem 17. September 1916 startet die Staffel unter Boelckes Führung, nimmt Westkurs auf die nahe Front zu.

Nach knapp zwanzig Flugminuten entdecken die Deutschen eine Formation von acht britischen B.E.2-Bombern, die von sechs  F.E.2-Jagdmaschinen eskortiert einen Angriff auf den Bahnhof von Marcoing fliegen. Auf Boelckes Zeichen hin stürzen sich die Albatros D.II auf die überraschten Briten, deren Flugzeuge den deutschen Maschinen zudem unterlegen sind.

Leutnant von Richthofen greift einen F.E.2 an, Geschosse aus seinen beiden  08.15-MGs schlagen in den Motor des Briten, wandern dann über Cockpit und Rumpf.

Qualmend stürzt das Flugzeug ab, bohrt sich krachend in den morastigen Boden, wobei beide Besatzungsmitglieder getötet werden.

Auch die übrigen Deutschen sind erfolgreich, alle sechs F.E.2 des Begleitschutzes und zwei Bomber werden bei diesem Einsatz ohne eigene Verluste abgeschossen.

 

So wie sich ein Jäger das Geweih eines Rehbocks an die Wand hängt, bestellt von Richthofen bei einem Berliner Juwelier eine kleine Silberschale als Trophäe für seinen Abschuß, neunundfünfzig weitere sollten dieser ersten folgen.

 

Am 9. November starten britische Bomber zu einem Einsatz gegen ein deutsches Munitionsdepot, dabei geraten die schwerfälligen Flugapparate von Richthofens Albatros vor die Rohre.

Es gelingt dem Deutschen sich unbemerkt hinter einen Bomber zu setzen und ihn abzuschießen, brennend trudelt der Brite nach unten und schlägt nahe des Gefechtsstandes des Großherzogs von Sachsen-Coburg auf.

Beeindruckt von der Leistung des jungen Piloten, verleiht er von Richthofen die Tapferkeitsmedai1le des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha, wohlmöglich nahm der Herzog an, die Briten hätten es auf ihn und seinen Stab abgesehen.

 

von Richthofen ist weiter erfolgreich, am 20.11.1916 schießt er erstmals zwei Flugzeuge an einem Tag hinunter, für diesen Doppelluftsieg läßt er sich in Berlin eine Silberschale doppelter Größe anfertigen.

 

Am 23. November greifen britische Jagdflugzeuge über Baupaume deutsche Aufklärer an, die Fotografien des Frontverlaufes anfertigen und so ein leichtes Ziel bieten.

Ein Aufklärer wird getroffen und stürzt brennend ab, dann stürzen sich Albatros-Jagdeinsitzer der Jasta 2 auf die veralteten D.H.2 des Royal Flying Corps.

Eine D.H.2 bricht nach diesem ersten Angriff in der Luft auseinander, die übrigen drücken nach unten und suchen ihr Heil in der Flucht. Manfred von Richthofer setzt sich hinter einen Briten, folgt dem Dop­peldecker, der in extremem Tiefflug auf die eigenen Linien zuhält, dabei verzweifelt Haken schlägt und irrwitzig über Bäume und Hecken springt.

Er entkommt dem Deutschen nicht, immer öfter treffen Geschosse das Flugzeug, dann zerschmettert eine Kugel den Hinterkopf des Flugzeugführers, wirft ihn nach vorne über den Steuerknüppel und nur Sekunden später zerschellt die D.H.2 am Boden, keine 500 Meter von den eigenen Linien entfernt.

Richthofens elfter Abschuß ist ein überaus prominenter Gegner, Major Lance G.Hawker, ein bekanntes Fliegeras und Träger der höchsten britischen Tapferkeitsauszeichnung, des Yictoriakreuzes.

 

Dieser Luftsieg weckt das Interesse des Kriegspresseamtes an dem jun­gen Fliegerleutnant von Richthofen.

Im Auftrag dieser Dienststelle des deutschen Generalstabes ist, nach Kriegshelden Ausschau zu halten, deren Taten die Moral der Zivilbevölkerung stärken können.

Immelmann und Boelcke waren solche Kriegshelden, doch beide sind mittlerweile tot, und von Richthofen scheint nun der rechte Nachfolger.

 

Ein Mythos von Ritterlichkeit und Tapferkeit umgibt die junge Fliegertruppe, Luftkämpfe werden mit mittelalterlichen Turnieren verglichen und ein Hauch von Romantik geht von dem Geschehen hoch über dem Grauen der Materialschlachten aus.

Die Realität ist wenig romantisch, gerade ein gewisser Mangel an Fairness trägt wesentlich zum Erfolg der Jagdflieger bei; die Piloten erzielen ihre Luftsiege meistens dadurch, daß sie zuerst auf den Gegner schießen - Überraschung ist der Schlüssel zum Erfolg.

Die beste Taktik besteht darin, sich dem feindlichen Flugzeug aus der Überhöhung heraus oder im toten Winkel zu nähern und das Feuer zu eröffnen, bevor dessen Pilot den Angreifer ausgemacht hat.

Langandauernde Kurvenkämpfe führen hingegen seltener zum Erfolg, sie kosten nur unnötige Kraft und gefährden das eigene Leben und das der Staffel Kameraden.

Weder deutsche noch alliierte Piloten schrecken davor zurück, das Feuer auf beschädigte Flugzeuge oder notgelandete Besatzungen zu eröffnen, ihr oder wir lautet die Devise.

 

Auch Manfred von Richthofen soll den Männern seiner Staffel später gesagt haben:

„Schießt keine Löcher in die Maschine, zielt auf den Mann und schießt nicht vorbei. Wenn Ihr einen Zweisitzer angreift, schießt zuerst auf den Beobachter. Wenn sein Maschinengewehr schweigt, kümmert Euch erst um den Piloten.“

 

Lediglich gefangenen Luftfahrzeugbesatzungen, die in der Luft nicht mehr gefährlich werden können, und abgestürzten Gegner wird Respekt gezollt, nur hier zeigt sich eine gewisse Verbundenheit zwischen den Fliegern, die sie aus der feldgrauen Masse der übrigen Soldaten hervorhebt.

 

Von den Erfolgen von Richthofens beeindruckt, überträgt Oberst Walz, Boelckes Nachfolger als Kommandeur der Jasta 2, ihm das Kommando über eine Kette der Staffel.

 

Am 23.Dezember 1916 läßt von Richthofen seinen Albatros erstmals rot anzustreichen.

Üblicherweise kamen die Flugzeuge mit einem Standardanstrich an die Front: Flügeloberseiten und Leitwerk mit unregelmäßigen Flecken aus Khaki und Oliv getarnt, Flugzeugunterseiten hellblau gestrichen und Rumpf im natürlichen Holzton belassen.

Die Flugzeugführer begannen aber rasch ihrem Flugzeug ein ,,Markenzeichen" zu geben und so zeigten sich die Maschinen bald in den unterschiedlichsten Farben und mit phantasievollen Symbolen. Oswald Boelcke hatte Rot zur Kennzeichnung seiner Jagdstaffel gewählt, Ausdruck der Zusammengehörigkeit und taktisches Führungsmittel im Luftkampf zugleich - ob sich von Richthofen nun als Referenz an seinen Lehrer und Mentor oder an sein altes Ulanenregiment, das rote Mützenbänder hatte, für diese Farbe entschied, ist unbekannt.

Ab Dezember 1916 fliegt er ein rotes Flugzeug, damit ist der ,,Rote Kampfflieger" oder ,,Le petit rouge", wie er bei den Entente-Fliegern heißen wird, geboren.

 

- 1917 -

Am 4. Januar 1917 verirrt sich eine einsame Sopwith Pup in das Revier der Jasta 2.

Der Pilot, Leutnant A .S. Todd, ist erst kurz vorher in Vert Galand gestartet und hält nun nach deutschen Flugzeugen Ausschau.

Die Pup ist das modernste Einsatzflugzeug der Briten, den deutschen Albatrossen an Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit deutlich überlegen; so überlegen, daß Todd ohne Zögern eine Patrouille von drei Maschinen dieses Typs angreift.

Ein tödlicher Fehler, von Richthofens fliegerisches Können und seine größere Erfahrung gleichen den technischen Nachteil aus, nach nur kurzem Kampf stürzt die kleine Pup mit der Seriennummer N 5193 bei Metz-en-Couture ab, Todd kommt in dem Wrack um.

Manfred Freiherr vor Richthofen erhält für diesen, seinen 16. Abschuß am 16. Januar 1917 den Orden ,,Pour-le-mérite" (nach seinem ersten Träger Max Immelmann auch ,,Blauer Max" genannt), er ist damit der erfolgreichste lebende Jagdflieger Deutschlands.

 

Elf Tage später, am 27. Januar 1917 verläßt er seine alte Staffel und übernimmt als Staffelführer die Jagdstaffel 11 in Douai.

 

Zu diesem Zeitpunkt ist diese Staffel bereits drei Monate an der Front, hat aber nicht einen einzigen Luftsieg erringen können; dies, so hofft die militärische Führung, wird von Richthofen ändern Er bewährt sich in der neuen Verantwortung und enttäuscht die in ihn gesetzten Erwartungen nicht: nach drei Monaten unter seinem Befehl haben die bislang erfolglosen Flugzeugführer der Staffel bei nur zwei eigenen Verlusten 125 Gegner abgeschossen.

 

Diese Erfolgsserie leitet der neue Staffelkommandeur bereits kurz nach seinem Dienstantritt persönlich ein.

Nach seinem Start am frühen Morgen entdeckt von Richthofen in der Nähe von Lens eine Kette von britischen F.E.8-Jagdflugzeugen. Unbemerkt nähert er sich einem davon bis auf 50 Meter, dann prasseln 7,62mm-Geschosse aus zwei Spandau-Maschinengewehren in den ahnungslosen Gegner. Sofort schlagen Flammen aus dem britischen Flugzeug, die Maschine kippt über die Tragfläche und stürzt steil abwärts. Dann passiert etwas Erschütterndes, in etwa 300 Meter Höhe löst sich ein dunkeler Punkt von der lichterloh brennenden F.E.8, der Flugzeugführer, von Richthofens siebzehntes Opfer, zieht es vor, sich aus der Maschine fallen zu lassen, als bei lebendigem Leibe zu verbrennen.

 

Mitte März wird Manfreds Bruder Lothar zur Jasta 11 versetzt, auch er wird bald ein erfolgreicher Kampfflieger, sein Naturell unterscheidet sich jedoch deutlich von dem des älteren Bruders. Manfred schildert den Unterschied selbst wie folgt:

,,Mein Vater macht einen Unterschied zwischen einem Jäger (Waidmann und einem Schießer, dem es nur Spaß macht zu schießen. Wenn ich einen Engländer abgeschossen habe, so ist meine Jagdpassion für die nächste Viertelstunde beruhigt. Ich bringe es nicht fertig, zwei Engländer unmittelbar hintereinander abzuschießen. Fällt der eine herunter, so habe ich das unbedingte Gefühl der Befriedigung. Erst sehr, sehr viel später habe ich mich dazu überwunden und mich zu einem Schießer ausgebildet. Bei meinem Bruder ist das anders..."

 

Nicht nur die Kampftaktik unterscheidet die beiden Brüder, hat Lothar echten Spaß am Fliegen so sind für den stillen, ernsteren Manfred Flugzeuge lediglich Mittel zum Zweck, Transportgeräte für Maschinengewehre.

Lothar von Richthofen gelingt es, in nur 77 Tagen an der Front 40 Flugzeuge abzuschießen, mit dem ,,Pour-le-mérite" ausgezeichnet zu werden und den Krieg zu überleben.

 

Bis Ende März 1917 schießt Manfred trotz schlechten Wetters insgesamt 31 Gegner ab.

Von seinem 31. Abschuß schickt ihm der Kommandeur des 67. Reserveinfanterie-Regiments, Oberst Baron von Riezenstein mit kameradschaftlichen Glückwünschen ein makaberes Souvenir, eine Fotografie, die den Leichnam des Piloten Lieutenant A. .E. Boultbee in den Trümmern des Niewport 17 zeigt.

 

Wichtiger dürfte für von Richthofen die mit diesem Abschuß verbundene Beförderung zum Oberleutnant gewesen sein.

 

Der April 1917 sieht die deutschen Flieger über der Westfront so erfolgreich, daß er als ,,Blutiger April“ in die Annalen der britischen Kriegsgeschichte eingeht.

Die Engländer verlieren durchschnittlich fünf eigene gegen ein deutsches Flugzeug.

Allein von Richthofen schießt in diesen Wochen 21 Gegner ab, davon einmal vier an einem Tag.

General Ludendorff verkündet daraufhin, daß der „Rote Kampfflieger“ zwei ganze Divisionen ersetzen könne, eine Aussage, die dem verlustreichen Kampf der Infanterie spottet und beweist, daß es auch hochrangigen Truppenführern manchmal an der notwendigen Objektivität mangeln kann.

Insgesamt schießt die Jagdstaffel 11 im April 69 gegnerische Flugzeuge ab.

 

In der Nacht zum 29. April 1917 gibt die Staffel dem Kommandeur, der am nächsten Tag einen wohl verdienten Heimaturlaub antreten will, ein Abschiedsessen.

Ein Telegramm der Obersten Heeresleitung, das während des Essens telefonisch übermittelt wird, hebt die ohnehin gute Stimmung an diesem Abend noch:

,,Es wird mir soeben gemeldet, daß Sie heute zum 50. Male als Sieger aus einem Luftkampf hervorgingen. Ich spreche Ihnen zu diesem glänzenden Erfolg meinen herzlichen Glückwunsch und meine vollste Anerkennung aus. Mit Bewunderung und Dankbarkeit blickt das Vaterland auf seinen tapferen Flieger. Gott sei ferner mit Ihnen. Wilhelm I.R."

 

Am nächsten Morgen fliegen Oberleutnant von Richthofen und Leutnant Krefft gemeinsam nach Köln, um ihren Urlaub anzutreten.

 

Der Staffelkommandeur hat, bevor er sich erholen kann, ein umfangreiches offizielles Programm zu absolvieren.

Dem Gespräch mit General von Hoeppner, dem Oberkommandierenden der Luftstreitkräfte, folgt ein Besuch bei der Abteilung B der Generaladjutantur, wo man ihn bittet seine Memoiren zu verfassen, die unter dem Titel ,,Der Rote Kampfflieger" veröffentlicht werden sollen. Ein Treffen mit Hindenburg, dem Chef des Generalstabes und Ludendorff, dem Generalquartiermeister des Heeres schließt sich an. Höhepunkt ist aber am 02. Mai das Mittagessen mit dem Kaiser, der die Gelegenheit nutzt, seinem berühmten Gast zu 52 bestätigten Abschüssen und seinem 25. Geburtstag zu gratulieren.

Erst hiernach folgt der ersehnte Jagdausflug in den Schwarzwald.

 

Während von Richthofens Urlaub wird sein Bruder am 07. Mai über Vimy Ridge abgeschossen, Lothar wird dabei an der Hüfte verwundet.

 

Am 14.Juni kehrt Manfred von Richthofen nach Douai zurück; an diesem Tag erzielt Karl Allmenröder seinen 16. Abschuß und steigt damit zum vierten Pour-le-mérite-Träger der Jasta 11 auf, ein passendes Willkommensgeschenk für den Staffelführer.

 

Vier Tage später verlegt Jagdstaffel 11 nach Courtrai und rüstet dort auf den neuen Albatros D.V um.

Obwohl der Kommandeur mit diesem Flugzeug am 23. Juni seinen 54.Luftsieg erringt, erfüllt der D.V nicht die in ihn gesetzten Erwartungen, die Überlegenheit der alliierten Flugzeugmuster macht den Deutschen mittlerweile schwer zu schaffen.

Abhilfe soll die Zusammenfassung mehrerer Jagdstaffeln zu einem schwerpunktmäßig operierenden Großverband schaffen.

 

Die Aufstellung des JG 1

Am 24. Juni 1917 erreicht Oberleutnant Manfred Freiherr von Richthofen aus dem Hauptquartier Kronprinz Rupprechts ein Telegramm, das ihn mit der Führung eines neu aufzustellenden Jagdgeschwaders beauftragt.

 

Am 5.Juli 1917, 12:00 Uhr mittags werden die Jagdstaffeln 4, 6, 10 und 11 dem Jagdgeschwader 1 unterstellt; damit verfügt das Kaiserreich über einen fliegenden Großverband.

 

Aufgabe des Jagdgeschwaders ist wie bisher die Bekämpfung feindlicher Beobachtungsballone und Infanterieflieger, deren Tätigkeit Operationen des eigenen Heeres einschränken können. Neu ist, daß dies nun schwerpunktartig an bestimmten Frontabschnitten geschehen soll, um hier eine begrenzte Luftüberlegenheit zu erringen; die Luftherrschaft anzustreben ist angesichts der sich abzeichnenden materiellen Überlegenheit des Gegners illusorisch.

 

Richthofens Stab wird in einem Schloß in Marckebeeke, nahe Lille untergebracht. Neben dem frischgebackenen Kommandeur arbeiten hier ein technischer Offizier, ein Arzt, ein Zahlmeister sowie weitere zweiundsechzig Unteroffiziere und Mannschaften.

Adjutant von Richthofens wird Oberleutnant Karl Bodenschatz, ein Mann, der im Dritten Reich zum Generalmajor und Chef des Ministeramtes Generalfeldmarschall Görings aufsteigen soll. Ungeachtet seiner späteren ,,Karriere" als Vasall der braunen Machthaber verdanken wir ihm sehr genaue Informationen über die Geschichte des Geschwaders, da im Anhang seines Buches ,,Jagd in Flanderns Himmel" das Kriegstagebuch abgedruckt ist.

 

Die Jagdstaffeln liegen in unmittelbarer Nähe, Jagdstaffel 4 unter Oberleutnant von Doering bei Ceune, Oberleutnant von Dostlers Jagdstaffel 6 bei Bissegem, Freiherr von Althaus operiert mit der Jagdstaffel 10 von einem Feldflugplatz bei Heule aus und Richthofens Hausstaffel, die Jagdstaffel 11 unter Leutnant Kurt Wolff kommt in Marcke unter.

 

Der Flugzeugbestand des Geschwaders umfaßt etwa 50 Jagdflugzeuge der Typen Albatros D V und Pfalz D III, die zu diesem Zeitpunkt den Flug­zeugmustern der Alliierten bereits merklich unterlegen sind.

 

Noch am ,,Geburtstag" des Jagdgeschwaders 1 erzielt Oberleutnant von Dostler den ersten Luftsieg des Verbandes, nördlich von Ypern greift er einen französischen Beobachtungsballon an, der hier über der Front steht und der Artillerie Zielkoordinaten von der deutschen Seite liefert.

Ein überraschender Anflug, zwei lange Schnüre Leuchtspurgeschosse, die in den prallen Gaskörper schlagen, dann flammt der Ballon auf, sinkt in lodernde Flammen gehüllt zu Boden.

 

Am Morgen des nächsten Tages startet von Richthofen mit seiner alten Jagdstaffel, der Jasta 11, zu seinem ersten Einsatz als Geschwaderkommandeur.

Irgendwo über der Front sichten die Deutschen eine Formation von sechs britischen F.E.2-Maschinen unter sich, greifen die Briten mit Höhevorteil an. Doch die Angegriffenen sind auf der Hut. Als sich von Richthofen hinter den F.E.2 von Captain D.C.Cunnell setzt, eröffnet der Bordschütze, Second Lieutenant A. E. Woodbridge, auf größtmögliche Entfern­ung das Feuer und trifft. Ein Geschoß streift Richthofens Kopf und reißt ihm eine zehn Zentimeter lange, heftig blutende Wunde.

Nur mit Mühe kann von Richthofen seinen roten Albatros nahe der fran­zösisch-belgischen Grenze notlanden und wird dort von einem Luftbeobachtungsposten aus der beschädigten Maschine geborgen.

Eine Ambulanz bringt den schwer verletzten Piloten nach Menin, von dort wird er zur weiteren Behandlung ins St.-Nicholas-Hospital nach Courtrai verlegt.

Oberleutnant Döring, der Staffelführer der Jasta 4 übernimmt die Befehlsgewalt über das Geschwader; offiziell aber wird von Richthofens Abschuß geheimgehalten; man möchte in dieser Phase des Krieges der deutschen Bevölkerung Hiobsbotschaften ersparen.

Keine Woche nach dem Abschuß des Kommandeurs trifft es auch den Staffelführer der Jasta 11, bei einem Luftkampf wird Leutnant Kurt Wolff so schwer an der linken Hand verwundet, daß er die nächsten Tage im Krankenbett neben von Richthofen verbringen muß - die erfolgreichen Tage des vergangenen Aprils sind nun endgültig vergessen, das Ringen um die Luftherrschaft wird von Tag zu Tag erbitterter und verlustreicher.

 

Von Richthofen hält es angesichts dieser Entwicklung an der Front nicht länger im Krankenbett, gegen den Rat der behandelnden Ärzte kehrt er am 25.Juli 1917 zu seinem Geschwader zurück.

Die ruhigen Tage sind vorbei, kaum ist von Richthofen aus dem Kraftwagen gestiegen, der ihn nach Marcke zurückgebracht hatte, brausen Flugzeuge der Staffel No. 100 des Royal Flying Corps über seinen Kopf hinweg und belegen den Flugplatz mit 230-Pfund-Bomben.

 

Als Ersatz für die zunehmenden Verluste, am 26.Juli fällt Leutnant Brauneck, stoßen neue Flugzeugführer zum Geschwader; ein noch unbekannter Leutnant Erich Löwenhardt wird zur Jasta 10 versetzt und Leutnant Werner Voß übernimmt diese Staffel Ende des Monats als Staffelführer.

 

Im Leben des am 13.April 1897 in Krefeld geborenen Voß gibt es einige Parallelen zu von Richthofen, wie dieser diente Voß bei Kriegsbeginn in einem Husarenregiment, wechselte im August 1915 zur Fliegertruppe, flog auch erst als Beobachter und ab Sommer 1916 als Bomberpilot. Im November 1916 wird er Boelckes Jasta 2 zugeteilt, wo er sechs Tage später seinen ersten Luftsieg erringt, 22 weitere Abschüsse folgen bis März 1917 und am 08. April 1917 wird ihm der Pour-le-mérite verliehen. Als Voß im Juli zum Jagdgeschwader seines alten Staffelkameraden versetzt wird, hat er 37 Abschüsse auf dem Konto.

 

Erst am 16. August ist von Richthofen wieder soweit hergestellt, daß er zu einem Einsatz starten kann, das Abschießen hat er aber noch nicht verlernt, eine Nieuport fällt seinen Maschinengewehren zum Opfer, Abschuß Nummer 58.

 

Am nächsten Tag hat die Jagdstaffel 11 einen doppelten Anlaß zum Feiern; der neu zuversetzte Leutnant von der Osten schießt mit einer britischen Sopwith seinen ersten Gegner ab, es ist zugleich der 200. Abschuß der Staffel.

 

Am 28. August treffen zwei der heiß ersehnten Fokker F.I beim Jagdgeschwader 1 ein. Dieses Flugzeugmuster war ein verbessertes Plagiat eines britischen Dreideckers der Firma Sopwith, eines Kampfflugzeugs, das den deutschen Albatros-Maschinen an Manövrierfähigkeit weit überlegen war. Einem Flugzeugführer der Jagdstaffel 11 war es im April 1917 gelungen, ein Flugzeug dieses Typs unbeschädigt zur Landung zu zwingen.

 

Diese Maschine wurde in Berlin-Adlershof deutschen Konstrukteuren vorgeführt und löste unter ihnen ein regelrechtes Dreidecker-Fieber aus. Der in Holland geborene Anthony Fokker gewann das Rennen um den deutschen Dreidecker, wenige Wochen nach seiner Rückkehr war in Schwerin der von Reinhold Platz konstruierte Prototyp fertig.

Zwei der Flugzeuge gehen sofort an die Front, Richthofen übernimmt den Fokker F.I, Bestellnummer 102/17, Werner Voß den Fokker F.I, Bestellnummer 103/17.

Schon am 29. August schießt Leutnant Voß das erste Feindflugzeug mit einem deutschen Dreidecker ab, von Richthofen gelingt erst am 1. September der Abschuß einer britischen R.E.8 über Zonnebeke, dies ist sein 60. Luftsieg.

 

Der Silberteller, den er für diesen Abschuß in Berlin anfertigen läßt, bleibt der letzte in seiner Trophäensammlung; im vierten Kriegsjahr wird in Deutschland auch das Silber knapp.

 

Der 3. September wird noch einmal ein sehr erfolgreicher Tag für die Jasta 11; obwohl die Staffel, bis auf von Richthofen und Voß, noch immer mit den alten Albatrossen ausgerüstet ist, schießen die deutschen Piloten zehn britische Flugzeuge herunter; darunter ist der 61. Luftsieg des Geschwaderkommandeurs.

 

Drei Tage nach diesem Erfolg reist von Richthofen zu einem längeren Erholungsurlaub Richtung Berlin ab, der knallrot gestrichene Dreidecker des Kommandeurs steht während seiner Abwesenheit anderen Flugzeugführern zur Verfügung.

Am 15. September ist es der Führer der Jagdstaffel 11, Oberleutnant Kurt Wolff, der mit der auffälligen Maschine zu einem Feindflug aufsteigt.

Einer britischen Camel gelingt es, sich bei diesem Einsatz hinter den Dreidecker zu setzen, ihre Geschoßgarben wandern über Rumpf und Tragflächen des Fokker und lassen ihn steil abstürzen. Beim Aufschlag des Flugzeugs explodieren die Benzintanks in einem gewaltigen Feuerball, Kurt Wolff verbrennt angeschnallt im Cockpit.

 

Am Abend des 23. Septembers startet Werner Voß gegen 18.05 Uhr mit seinem grünen Dreidecker, dessen Motorverkleidung ein schnauzbärtiges Gesicht ziert, zu einem letzten Flug.

Voß ist auf gegnerische ,,Nachzügler" der Luftkämpfe vom Nachmittag aus, die allein und erschöpft ihrem Heimatplatz zufliegen.

Er wird auch rasch fündig, eine einzelne SE-5 fliegt über deutschem Gebiet westwärts und ohne Zögern stößt der Staffelführer der Jasta 10 auf den Engländer herunter.

Zu seinem Unglück übersieht er sechs überhöht fliegende Maschinen der 56.Staffel des Royal Flying Corps unter der Führung von Captain James McCudden.

Der folgende Luftkampf erstreckt sich über zehn Minuten, wobei Voß immer wieder versucht hinter einen der Briten zu kommen und gleichzeitig ihren Geschoßgarben auszuweichen, ohne großen Erfolg, denn seine Maschine wird mehrfach getroffen.

Schließlich gelingt es Lieutenant Arthur Rhys-Davies sich hinter Voß zu setzen und ihn zu treffen - der Dreidecker stürzt immer steiler werdend ab und zerschellt nördlich St.Julian am Boden; Werner Voß wird dabei getötet.

 

Manfred von Richthofen wird also von äußerst schlechten Nachrichten erwartet, als er am selben Tag seinen Urlaub beendet und das Kommando über das Jagdgeschwader wieder übernimmt.

 

Keine Woche später kündigt sich eine schwere Krise für die deutschen Luftstreitkräfte an; am 29. Oktober montiert bei Leutnant Gontermanns Fokker Dr.I überraschend der obere Tragflügel ab. Unkontrollierbar stürzt der Flugapparat ab und bohrt sich krachend in den Boden, der Flugzeugführer der Jasta 15 kommt bei diesem Unfall ums Leben.

 

Leutnant Pastor trifft es am 31. Oktober, bei seinem Flugzeug, einem Fokker Dr.I, Best-Nr. 121/17 löst sich ebenfalls der obere Tragflügel und wie schon Leutnant Gontermann hat auch der Pilot der Jagdstaffel 11 keine Überlebenschance.

 

Nach diesem zweiten Unfall wird ein Startverbot für alle Dreidecker verhängt; sofort angeordnete Untersuchungen ergeben dann, daß sich wegen Verarbeitungsfehlern die Flügel bei Feuchtigkeit an ihren Verbindungsstellen auflösen. Erst nach einer entsprechenden Verstärkung dürfen die Dreidecker wieder fliegen.

 

Am 15.November wird Leutnant Hans Adam, der die Jagdstaffel 6 nach dem Tod von Oberleutnant von Dostler am 19. August nur wenige Wochen geführt hatte, ebenfalls im Luftkampf getötet.

Seine Nachfolge tritt Oberleutnant Wilhelm Reinhard an.

 

Zehn Tage später verlegt das Geschwader auf Feldflugplätze in die Gegend um Cambrai; Jadgstaffel 11 fällt in Avesnes-le-Sec ein, die Jagdstaffeln 4 und 6 belegen Lieu St.Amand und Jasta 10 schließlich operiert von Iwuy aus.

Von hier aus fliegen sie Einsätze im Verlauf einer zwei Wochen währenden Schlacht, in deren Verlauf die Bodentruppen beider Seiten 45.000 Soldaten an Toten verlieren sollen - nach dieser letzten Offensive des Jahres beendet der Wintereinbruch alle größeren Aktivitäten an und über der Front bis zum Frühjahr 1918.

 

- 1918 –

Im März 1918 wird Leutnant Ernst Udet, ein weiterer Flugzeugführer, dessen Name ebenfalls untrennbar mit den Machthabern des Dritten Reiches verknüpft ist, zum Jagdgeschwader 1 versetzt.

 

Am 18. März erringt Manfred seinen 66.Luftsieg, den er im abschließenden Gefechtsbericht wie folgt schildert:

,,Ich startete mit 30 Flugzeugen meines Geschwaders und flog geschlossen, alle 3 Staffeln führend, In 5300 m Höhe gegen den Feind. Wie wir uns der Front näherten, sah ich mehrere englische Geschwader, die gerade unsere Linien überflogen, etwa Richtung Le Cateau. Das erste Geschwader das mir begegnete war etwa in 5500 m Höhe. Ich schoß mit Lt. Gussmann, Jasta 11, zusammen den letzten der Gegner, einen Bristol Fighter ab. Er verlor die Tragflächen und Lt. Gussmann brachte Ihn bei Joncourt zum Absturz.

Darauf sammelte ich meine 30 Flugzeuge, stieg auf 5300 m und folgte zwei bis nach Le Cateau durchgebrochenen Geschwadern. Als der Gegner den Versuch machte auszubiegen und nach der Front zurückzukommen griff ich an. Das mir am nächstfliegende Flugzeug, scheinbar ein Breguet oder Bristol-Fighter, wurde von mir und Lt. Loewenhardt, Jasta 10 beschossen, worauf dem Gegner der Benzintank kaputt geschossen wurde, und ich sah, wie das Flugzeug senkrecht abstürzte. Lt.Loewenhardt brachte es zum Absturz.

Von zwei englischen Einsitzer-Geschwadern (Sopwith Camel) griff ich ein Flugzeug mit Wimpeln an und zwang den Gegner bei Molain zur Landung.

 

Am 20.März verlegt das Geschwader auf den Gefechtslandeplatz Awoingt, wo das Personal nur in Baracken und die Flugzeuge notdürftig in Zelten untergebracht werden können.

Am nächsten Tag beginnt die große Frühjahrsoffensive der deutschen Armee - um 04:40 Uhr eröffnet die Artillerie das Feuer auf die alliierten Stellungen, setzt dabei auch mit Giftgas gefüllte Granaten ein, dann geht ab 09:40 Uhr die Infanterie beiderseits der Somme vor.

Die Flugzeugführer des Jagdgeschwader 1 nehmen ununterbrochen an diesen Kämpfen teil, vernichten Beobachtungsballone des Gegners, vertreiben britische Bombenflugzeuge und greifen hin und wieder in die Bodenkämpfe ein.

Am 27. März verlegt das Geschwader erneut, diesmal nach Lechelle, dann schließt sich am 14. April eine Verlegung nach Cappy-Lomme an; wen wundert es da, daß der Verband ob des steten Herumreisens, der Unterbringung in Zelten und der bunt bemalten Flugzeuge vom Gegner mit dem Namen „Flying Circus“ bedacht wird.

 

Anfang April wird von Richthofen für 75 Abschüsse der Orden vom Roten Adler III. Klasse mit Krone und Schwertern verliehen, eine Dekoration, die sonst nur Generalen und Vertretern des Hochadels vorbehalten ist.

 

Seine letzten Erfolge erringt Rittmeister Manfred Freiherr von Richthofen am 20. April 1918, Abschuß Nummer 79 und 80 schildert er knapp im Gefechtsbericht:

„3 Minuten, nachdem ich den ersten brennend abgeschossen hatte, griff ich aus demselben Geschwader einen 2. Camel an. Der Gegner ließ sich abstürzen, fing sich wieder und wiederholte dieses Manöver öfter. Dabei kam ich bis auf nächste Kampfentfernung heran und schoß ihn mit etwa 50 Schuß in Brand. Der Rumpf verbrannte in der Luft, der Rest des Flugzeuges stürzte nordöstlich Viller-Bretonneux ab.“

 

Der Letzte Flug

Am nächsten Morgen, es ist der 21. April 1918, klettert von Richthofen gegen 10:30 Uhr in den roten Fokker Dr.I, Bestellnr. 425/17. Luftbeobachter haben über der nur 6 km entfernten Front englische Jäger gemeldet und zwei Ketten zu je drei Maschinen des Jagdgeschwaders 1 starten zu ihrer Bekämpfung.

 

Der Kommandeur führt die erste Kette, ihn begleiten Vizefeldwebel Scholz und sein Vetter Wolfram von Richthofen.

Die zweite Kette führt Leutnant Weiß, mit ihm fliegen die Leutnante Wenzl und Carjus.

Schon kurz nach dem Start machen die deutschen zwei RE-8 der 3. austra-lischen Staffel aus, die in der Nähe von Hamel deutsche Truppenbewegungen photographieren. Rasch entschließt man sich zum Angriff auf diese veralteten, aber robusten Aufklärungsflugzeuge.

 

Zur gleichen Zeit fliegen auch fünfzehn Camels des 209. Geschwaders der Royal Air Force aus Bertangles unter Major C. H. Butler in 4000 Meter Höhe den Frontverlauf in nördlicher Richtung ab - sie kommen den bedrängten Fotoaufklärern sofort zu Hilfe.

In dem nun folgenden Luftkampf lösen sich die Formationen der Staffeln auf, es kommt unweigerlich zu unübersichtlichen und hektischen Einzelgefechten.

Lieutenant Taylor von der 209. meldet nach diesem Luftkampf den Abschuß eines Albatros-Jagdflugzeugs, Lieutenant MacKenzie will Treffer bei einem Dreidecker erzielt haben und auch Lieutenant Mellersh meint einen blau gestrichenen Dreidecker abgeschossen zu haben, bevor er selbst notlanden muß.

Diese drei abgeschossenen Flugzeuge müssen aber zu anderen Jagdstaffeln gehört haben, denn das Kriegstagebuch des Jagdgeschwaders 1 meldet an diesem Tag nur einen Verlust - dieser ist dafür umso schmerzlicher.

 

Der kanadische Staffelführer, Captain Arthur Royal Brown, bemerkt während der Luftkämpfe dieses Morgens, wie einer seiner Schützlinge, Secound Lieutenant May, der sich auf seinem ersten Feindflug befindet, von einem roten Dreidecker heftig bedrängt wird.

Brown kommt seinem Kameraden sofort zu Hilfe, drängt den Deutschen ab und verfolgt den Fokker bis in Bodennähe, wo er den Piloten nach einem langen Feuerstoß zusammensinken sehen will. Der Dreidecker schert augenblicklich nach rechts aus und schlägt am Boden auf. Nach seiner Landung meldet Captain Brown, daß er einen Dreidecker nach Treffern abstürzen sah.

Gegen 12:00 Uhr landen die fünf mit Richthofen gestarteten Maschinen wieder in Cappy; Wenzl, Carjus und Wolfram starten sofort wieder, um nach Richthofen zu suchen - vergeblich.

Später meldet ein Beobachter vom Feldartillerieregiment Nr.16, er habe einen roten Dreidecker nördlich Vaux-sur-Somme landen und englische Infanterie das Flugzeug bergen sehen, so besteht noch Hoffnung, Richthofen sei nur in Gefangenschaft geraten.

 

Am 23. April veröffentlicht die Nachrichtenagentur Reuter von Richthofens Todesmeldung. Am selben Tag werfen englische Flieger einen Meldebeutel mit einem Foto von seinem Grab über Cappy ab.

 

Auch wenn der Abschuß des ,,Roten Kampffliegers" zeitweilig Captain Arthur Royal Brown zugesprochen wurde, so lassen spätere Untersuchungen keinen Zweifel daran, daß von Richthofen vom Boden aus abgeschossen wurde.

Dies scheint auch ein Brief des Engländers Robert Barron zu belegen, in dem er der Mutter Manfreds, Kunigunde Freifrau von Richthofen, das Ende ihres Sohnes schildert:

,,...Kurz vor Mittag wurde unsere Aufmerksamkeit durch Maschinengewehrfeuer erregt, und plötzlich erschienen zwei Sopwith Camels (Kampfeinsitzer), die in schnellstem Tempo von den deutschen Stellungen herkamen und so niedrig flogen, daß sie gerade über dem Gipfel eines Bergrückens sichtbar waren.

Unmittelbar hinter ihnen, ihnen im Nacken sitzend, erschien das rote Flugzeug des Barons Richthofen. Er schoß Garben von Maschinengewehrfeuer auf die beiden Camels, ohne ihnen jedoch sichtbaren Schaden zu tun.

 

Wir legten zum Schutz der britischen Flugzeuge eine Sperre von Schrapnells zwischen sie und den Fokker. Gleichzeitig wurde das Feuer auf den Baron durch unser eigenes Lewis-Maschinengewehr, bedient von Sergeant Franklyn, und durch die den australischen Batterien zugeteilten Maschinengewehre eröffnet. Einen Augenblick später drehte der Baron, der offenbar jetzt erst die gefährliche Lage bemerkte, in die er geraten war, eine Immelmann-Kurve, ging aber dann in steilem Winkel über dem Bergrücken nieder.

Einige Darstellungen behaupten, daß sein Flugzeug eine glatte Landung machte, aber dies war nicht der Fall, er flog indessen so niedrig, daß die Maschine nicht sehr stark beschädigt war.

Der Baron war bereits tot, als er landete, und es besteht nicht der leiseste Zweifel, daß er vom Erdboden aus erschossen wurde, denn die einzigen britischen Flugzeuge, die sich zu dieser Zelt in der Nähe befanden, waren die beiden Camels, die sich vor der deutschen Maschine befanden..."

 

Zu diesem Bericht paßt auch die Aussage von Sergant Cedric Bassett Popkin und Gnr. Rupert F. Weston von der 24.Maschinengewehr-Kompanie, 4. australische Division. Popkin schrieb:

,,Ich war für vier Vickers-Maschinengewehre am Hang des Somme-Kanals zwischen Sailly-le-Sec und Corbie verantwortlich und hatte ein Gewehr zur Luftabwehr montiert. Gegen 11:00 Uhr begannen britische und deutsche Jäger einen Luftkampf. Dann trennten sich zwei Flugzeuge von dem Rest und flogen auf unsere Linien zu, direkt über Sailly-le-Sec. Sie flogen längs des Kanals auf mein Maschinengewehr zu. Ich brachte es in Stellung und wartete.

 

Die Flugzeuge kamen heran; der Engländer vorne und etwa 60 ft (20 m) hoch. Sie waren so nahe beisammen, daß ich warten mußte, bis der Engländer vorüber war. Dann eröffnete ich das Feuer auf das deutsche Flugzeug - einen roten Dreidecker. Ich feuerte etwa 60 Schuß und er drehte sich im rechten Winkel zu meiner Position (etwa 1,5 km westlich Vaux-sur-Somme und 600 m nördlich der Flußbiegung der Somme) und versuchte, über die Hügelkette links vom Kanal, die zu unserer Linie herüberblickte, zu fliegen. Dann kurvte er wieder, und ich gab nochmals 60 Schuß ab. Das Flugzeug begann zu sinken, beschrieb etwa einen Halbkreis und schlug oben in der Nähe eines Steinbruchs in Richtung Bonnay auf.

Ich rannte sofort den Hügel hinauf und kam dort einige Minuten nach dem Aufschlag an. Das Wrack war von Infanterie-Offizieren umgeben, die niemanden hinzuließen. Ich ging aber trotzdem hin und riß ein Stück von der Tragfläche als Andenken ab. Etwa eine Stunde später kam ein Abwehroffizier (Captain Donald L. Fraser) von der l1. Brigade, nahm meine persönlichen Daten auf und erzählte mir, wen ich abgeschossen hatte.

 

Nach diesen Aussagen kann davon ausgegangen werden, daß Manfred von Richthofen bei der Verfolgung Mays zu tief und zu weit über die alliierten Linien geraten war und hier dem Abwehrfeuer vom Boden zum Opfer fie1.

Die Obduktion seines Leichnams, die durch Oberst G. W. Barber, den stellvertretenden Leiter der Sanitätstruppen des australischen Korps geleitet wird, scheint diese Theorie weiter zu stützen:

 

„Es war nur eine einzige Schußwunde vorhanden, und die rührte von einem Schuß durch die Brust her. Das Geschoß war komplett durch Brust und Herz gedrungen und von der Position der Wunden schloß ich, daß das Geschoß vom Boden aus abgefeuert worden war und den Flieger traf, als er das Flugzeug schräg legte, da die Ausschußwunde etwa 7 cm höher lag, als der Einschuß.“

 

Das Maschinengewehrgeschoß war also auf der rechten Seite unterhalb der Achselhöhle bei der 9. Rippe eingetreten und durch die Brust gedrungen, hatte beide Lungen durchschlagen , bevor es 3 cm unterhalb der linken Brustwarze ausgetreten war.

Selbst, wenn es dabei das Herz oder die Aorta verfehlt hatte, führte es zu einer schweren inneren Blutung, an der von Richthofen rasch ersticken mußte.

 

Der ,,Rote Kampfflieger“ wird am 22. April, nachmittags gegen 05.00 Uhr von britischen Soldaten mit militärischen Ehren auf dem Friedhof von Bertangles beigesetzt; die Inschrift auf seinem, aus einem Propeller gefertigten Grabkreuz lautet:

 

Cavalry Captain Manfred

Baron von Richthofen

Aged 25

Killed in Action (Aerial Combat)

Near Sailly-Le-Sec Somme

France

21/4/1918

 

Am nächsten Tag fliegt ein englischer Pilot mit einer „Camel“ niedrig über die deutschen Linien und wirft die Nachricht vom Tode des Freiherrn ab.

Im Heeresbericht vom 24. April 1918 heißt es dazu lapidar:

 

Rittmeister Freiherr von Richthofen ist von der Verfolgung eines Gegners über dem Schlachtfeld an der Somme nicht zurückgekehrt.“

 

Das Ende

10. Vorausschauend hatte Manfred von Richthofen einen Brief hinterlassen, der Hauptmann Wilhelm Reinhardt zu seinem Nachfolger als Kommandeur des Jagdgeschwaders 1 bestimmt.

Reinhardt, der am 12.März 1891 in Düsseldorf geboren wurde, trat 1909 als Offizieranwärter in das 14. Badener Artillerie-Regiment ein. Als Leutnant nimmt er 1914 an den Kämpfen um Ypern teil und wird hier durch Artilleriefeuer am Bein verwundet.

Nach seiner Genesung meldet sich Reinhardt im Juni 1915 zur Fliegerausbildung und nimmt mit der Feldflieger-Abteilung 205 als Bombenflieger an den Luftkämpfen über Verdun teil, bevor er im Dezember erneut verwundet wird.

Wiederhergestellt, fliegt er im Juni 1916 über dem Balkan, erkrankt hier an Typhus und verbringt wieder einige Zeit im Hospital.

Nach mehreren Einsätzen im Osten und Absolvierung einer Jagdfliegerschule in Warschau kommt Reinhardt am 14. Juli 1917 zur Jagdstaffel 11, wo seine Karriere als Jagdflieger beginnt.

 

Am 22. Juli treffen acht Albatros D.V der Jasta 6 und 11 auf einige Sopwith Strutter der 45. Squadron. Im nachfolgenden Luftkampf werden drei britische Maschinen abgeschossen, eine davon beansprucht Reinhardt zusammen mit den Leutnants Deilmann und Kullmer als seinen ersten Luftsieg.

Am 14.August schießt Reinhardt bei einem Angriff der Jasta 11 und 10 auf eine Formation britischer Flugzeuge eine Spad ab. Bis September 1917 erhöht er die Zahl seiner Abschüsse auf 6.

Der September wird ein schwarzer Monat für die Jasta 11; der Staffelführer Oberleutnant Wolff wird getötet, drei andere Piloten, Bockelmann, Groos und auch der wenig glückhafte Reinhardt (04.09.16) werden verwundet.

Erst elf Wochen nach diesem Abschuß kehrt Reinhardt zu seiner Staffel zurück, die er bereits am 26. November wieder verläßt, um Jasta 6 als Staffelführer zu übernehmen.

 

Als Reinhardt im April 1918 die Nachfolge von Richthofens antritt, hat er insgesamt 13 Luftsiege erzielt. Seine Zeit als Kommandeur des Jagdgeschwaders Richthofen steht unter keinem guten Stern; bereits in den ersten drei Wochen nach seinem Amtsantritt sind die Verluste alarmierend hoch:

Hans Weiss stirbt am 2. Mai, Scholz wird beim Start in Cappy getötet, Leutnant Just am 3. Mai verwundet und am 16. Mai kehren die Leutnants Schmutzler, Hübner und Joachim Wolff von einem Feindflug nicht zurück.

 

Am 20. Mai 1918 wird auf Anweisung General von Hoeppners dem Jagdgeschwader 1 der Name ,,Jagdgeschwader Frhr. von Richthofen Nr.1“ verliehen.

 

Am 2.Juni treffen Fokker der Jastas 6, 10 und 11 auf einige Spad; im nachfolgenden Luftkampf können zwar vier Spad abgeschossen werden, aber Reinhardts Dreidecker wird von einer Spad so übel zerschossen, daß der Geschwaderkommandeur zu einer Notlandung gezwungen wird.

 

Am 12. Juni 1916 schießt Reinhardt seinen 20. und letzten Gegner ab, wieder einen Spad, bevor er am 18. Juni zusammen mit Kirchstein nach Adlershof bei Berlin reist.

 

Um 07:15 Uhr am 29. Juni startet Leutnant Ernst Udet zu einem Einsatz über der Front. Eine knappe halbe Stunde nach dem Start greift Udet über Cutry einen französischen Infanterieflieger an, der aus etwa 600 Meter Höhe die Wirkung der gegnerischen Artillerie beobachtet. Bevor er den Breguet treffen kann, erhält Udet Treffer, Maschinengewehr, Tank und Steuerkabel seines Fokker D.VII werden beschädigt und das Flugzeug stellt sich auf den Kopf und stürzt senkrecht ab.

Udet trägt einen der neuen Heineke-Fallschirme, schnallt sich also los und springt aus dem offenen Cockpit, bleibt kurz am Seitenruder hängen, kommt frei und fällt, sich dabei mehrmals überschlagend, seinem Flugzeug hinterher. Dann öffnet sich sein Fallschirm in vielleicht 80 Metern Höhe und er landet unsanft inmitten explodierender Artilleriegeschosse.

Nach 3000 Metern erreicht Udet die Gräben des 16. Infanterie-Regiments, hustend und würgend verbringt er hier die nächsten Stunden, denn der Gegner schießt auch mit Gasgranaten und der Fliegerleutnant hatte bei seinem Absprung keine Gasmaske getragen.

 

Hauptmann Reinhardt verbringt die ersten Julitage in Adlershorst mit Flügen auf neuen Flugzeugtypen, die hier von erfahrenen Frontpiloten getestet werden sollen.

Am 3.Juli klettert er in einen Dornier D.I, eine Maschine die kurz vorher noch von Oberleutnant Hermann Göring geflogen worden war und startet zu einem weiteren Probeflug.

In etwa 1000 Meter Höhe bricht der obere Flügel des Flugzeuges ab, der D.I stürzt steil zu Boden, ohne daß sich der Pilot noch mit dem Fallschirm retten kann - nach nur wenigen Wochen verliert das Jagdgeschwader Richthofen seiner zweiten Kommandeur.

 

11. Der 25jährige Oberleutnant Göring, mit 21 Luftsiegen ein erfolgreicher Jagdflieger und Träger des ,Pour-le-mérite", wird Nachfolger Reinhardts.

 

Kaum im Amt muß der neue Kommandeur erfahren, daß die neuen Fokker D.VII des Geschwaders noch ein paar tödliche Kinderkrankheiten aufweisen.

Gegen 21:00 Uhr startet Leutnant Friedrichs, ein Angehöriger der Jasta 10, am 15.Juli zu einem letzten Einsatz. In etwa 1700 Meter Höhe zieht seine Fokker plötzlich eine weiße Rauchfahne hinter sich her und beginnt sofort zu brennen. Der Flugzeugführer versucht zwar noch abzuspringen, bleibt aber am Leitwerk des abstürzenden Flugzeugs, dessen Munition zu explodieren beginnt, hängen.

Am Abend des nächsten Tages ereignet sich ein ähnlicher Vorfall bei der Jagdstaffel 4, diesmal kann sich der Pilot, Leutnant Bender mit dem Fallschirm retten.

Beide Unfälle entstanden durch Leckwerden der Benzintanks der Fokker, ausströmendes Benzin, das als weißer Rauch zu sehen war, entzündete sich am heißen Motor und setzte Flugzeug und Munition in Brand - ein weiteres Beispiel dafür, daß auch Flugzeuge, die für fronttauglich erklärt wurden, aufgrund sehr kurzer Entwicklungszeiten mit Mängeln behaftet waren.

 

Am 18.7.1918 startet der Kommandeur gegen eine Formation französischer Spads; Göring fliegt bei diesem Einsatz einen Fokker D.VII F, Nr.294/18 mit rotem Vorderrumpf und gelbem Schwanz. Nach kurzem Kurvenkampf drückt er einen Spad herunter und schießt ihn bei St.Bandry ab. Görings 22. und letzter Luftsieg.

 

Auf unkonventionelle Art erringt Leutnant Ernst Udet am 8. August seinen 45. Luftsieg; Udet wird am Abend in etwa 800 m Höhe von einer Camel angegriffen, es gelingt ihm jedoch den Gegner auszumanövrieren und sich über die Camel zu setzen. In etwa 300 m Höhe rammt Udet den Engländer mit dem Fahrgestell seines Fokker, wobei der obere Tragflügel der Camel so stark beschädigt wird, daß das Flugzeug abstürzt.

Aber auch das Jagdgeschwader „Richthofen“ muß empfindliche Verluste hinnehmen. So ereilt Oberleutnant Löwenhardt, der nach Richthofens Tod zum erfolgreichsten Jagdflieger des Geschwaders aufstieg, das Schicksal am 10. August 1918 nach 53 Luftsiegen.

Während eines Luftkampfes mit britischen SE-5 kommt es über Chaulnes zu einem Zusammenstoß mit einer Fokker der Jasta 11. Beide Flugzeuge werden dabei so stark beschädigt, daß die Flugzeugführer zum Verlassen ihrer Maschinen gezwungen sind. Leutnant Wentz von der Jasta 11 kann sich mit Fallschirm retten, Löwenhardts Fallschirm öffnet sich nicht und ungebremst schlägt der erfolgreiche Jagdflieger am Boden auf.

 

Lothar von Richthofen wird drei Tage später zum dritten Mal abgeschossen und an den Oberschenkeln so schwer verwundet, daß für ihn der Krieg beendet ist.

 

In den nächsten Wochen macht das Geschwader seinem Namen als ,,Fliegender Zirkus“ alle Ehre, innerhalb kürzester Zeit wird mehrfach verlegt: am 12. August geht es nach Bernes, am 1. September weiter nach Busigny-Escaufourt, am 28. September dann nach Metz, am 9. Oktober nach Marville und am 7. November schließlich und endlich nach Tellancourt.

Die Einsatzstärke des Geschwaders liegt zu diesem Zeitpunkt nur noch bei knapp 60%, Ersatzteillage und Treibstoffversorgung der Flugzeuge sind dabei schlichtweg miserabel zu nennen.

 

Dennoch schießt das Geschwader in der Zeit vom 3. bis zum 5. November bei nur zwei eigenen Verlusten nochmals 20 Gegner ab, bevor der Waffenstillstand am 11. November alle weiteren Kampfhandlungen beendet.

An diesem Tag verlegt der Verband nach Darmstadt, die restlichen Flugzeuge werden hier an die Franzosen übergeben; der Verband offiziell aufgelöst.

 

Während seines Einsatzes an der Westfront hat das „Jagdgeschwader Freiherr von Richthofen Nr.1“ insgesamt 644 Luftsiege erkämpft, ein Erfolg, der mit 62 Gefallenen und 59 Verwundeten bezahlt werden mußte.

 

Am Abend des 19. November 1918 versammeln sich die letzten 30 Flugzeugführer des Jagdgeschwaders 1 im Stiftskeller im bayerischen Aschaffenburg;

Oberleutnant Hermann Göring, der letzte Kommandeur des ersten deutschen Jagdgeschwaders, dankt ihnen hier für ihren Einsatz und hebt in seiner Abschiedsrede hervor, daß die Soldaten an der Front ungeschlagen blieben - blind für die Leiden der deutschen Zivilbevölkerung während des Krieges gibt er ausschließlich verantwortungslosen politischen Kräften im zusammenbrechenden Kaiserreich Schuld an der Niederlage.

Diese Denkungsweise, die auch andere Frontkämpfer teilen, führt rasch zur ,,Dolchstoß-Legende“, die wenige Jahre später ehemalige Soldaten zu Gefolgsleuten der Nationalsozialisten werden läßt.