FlugzeugabstürzeStart - Flugzeugabstürze

Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Stundenkilometern überraschten im Zweiten Weltkrieg wiederholt britische Bomberbesatzungen, die von Einsätzen im Osten zurückkehrten. Ihre Flugzeuge mussten gegen extreme Windfelder ankämpfen, so dass sie kaum vorwärts kamen. In diesen heftigen Gegenwinden verringerte sich ihre Geschwindigkeit über Grund derart, dass ihre Treibstoffvorräte erschöpft waren, bevor sie ihre Heimatstützpunkte erreichen konnten. Sie mussten notwassern oder stürzten ab. Diese Piloten gehörten zu den ersten Menschen, die einen so genannten Jetstream erlebten. Diese Strahlströme umrunden in großen Höhen die Erde. Der lagebeständige Subtropen-Strahlstrom pendelt um 35° geografische Breite, der Polarfront-Strahlstrom zwischen 60° und 40° geografische Breite. Jetstreams verraten sich oft durch Cirruswolken. Sie bestehen aus Eiskristallen und können einige hundert Kilometer lang werden.

Wärmeausgleich

In den Polargebieten treffen die Sonnenstrahlen schräger auf die Erdatmosphäre auf als in der Äquatorregion. Daher ist am Äquator die Dichte der Strahlung höher als an den Polen. Außerdem muss das Sonnenlicht am Äquator eine kürzere Strecke durch die absorbierende Atmosphäre zurücklegen. Die Äquatorregion der Erde wird daher durch die Sonnenstrahlen stärker erwärmt als die Polargebiete. Aufgrund dieses Temperaturunterschieds gibt es einen ständigen Wärmetransport von niederen Breiten in höhere. Er wird durch die Meeresströmungen und die atmosphärische Zirkulation aufrecht erhalten. In der Äquatorregion werden aufgeheizte, feuchte Luftmassen hoch in die Atmosphäre gewirbelt und nach Norden und Süden verdriftet. In der Passatregion, in etwa 30° Breite, sinken sie ab. Ein Teil der absteigenden tropischen Höhenluft fließt auf der Nordhalbkugel als Nordost-Passat zum Äquator zurück, in der Südhemisphäre als Südost-Passat. Der Rest der absinkenden Luft fließt als warmer Wind nach Norden in die mittleren Breiten. In Breiten von 50° bis 70° prallt die warme subtropische Luft auf eisige, trockene Polarluft. An dieser Polarfront entstehen immer neue Tiefdruckgebiete oder Zyklone, die in den mittleren Breiten das feuchtgemäßigte Klima bewirken.

Entstehung

Jetstreams erreichen in jenen Gebieten ihre größten Geschwindigkeiten, wo im Bereich der Subtropen die aufgestiegene warme Äquatorluft wieder absinkt und wo sich im Bereich der Polarfront aufsteigende Warmluft über die kalte Polarluft schiebt. Dies geschieht auf beiden Erdhalbkugeln um 35° und zwischen 60° und 40° geografischer Breite. Wie entstehen nun die Jetstreams? Die Erde dreht sich in 24 Stunden in Richtung Osten ein Mal um ihre eigene Achse, das heißt in einer Stunde um 15°. Ein Punkt auf der Erdoberfläche, der näher am Äquator ist, hat dabei eine größere Geschwindigkeit als einer, der sich näher an einem Pol befindet. Dies liegt daran, dass ein Punkt, der näher am Äquator liegt, auch weiter von der Drehachse entfernt ist. Prinzipiell ergeben sich die gleichen Geschwindigkeitsverhältnisse wie auf einer sich drehenden Scheibe. Im Wesentlichen macht auch die Atmosphäre diese Drehung mit. Eine Luftmasse, die aufsteigt und sich in Richtung eines Pols bewegt, behält die größere Drehgeschwindigkeit der niederen Breiten, aus der sie kam, bei und bewegt sich daher auch in östlicher Richtung. Dabei entwickeln sich in Höhen um zehn Kilometer lange und schnelle Windbänder, eben die Jetstreams oder Strahlströme.

Der Effekt ist vergleichbar mit einer sich drehenden Scheibe: Jemand, der auf dem Rand der Scheibe mitrotiert, lässt einen Ball zur Drehachse rollen. Aufgrund der größeren Geschwindigkeit am Rand rollt der Ball von oben gesehen nicht gerade zum Zentrum der Scheibe, sondern weicht von der Geraden in der Drehrichtung der Scheibe ab. Diese scheinbare Kraft wird nach ihrem Entdecker, dem französischen Mathematiker Gaspard Gustave de Coriolis (1792-1843), Coriolis-Kraft genannt.

In unseren Breiten beeinflusst besonders der Polarfront-Strahlstrom das Wetter. Der Jetstream ist immer da und umschlängelt wie ein sich windender Fluss die Erde. Mit ihm ziehen Luftmassen und Tiefdruckgebiete. Mal windet er sich in Form von Wellenbergen und Wellentälern weiter nach Norden, mal weiter nach Süden. In einem Wellenberg ist warmes, trockenes Hochdruckwetter, in einem Wellental dagegen kaltes, feuchtes Tiefdruckwetter. Liegen wir also nördlich des Strahlstrom-Bandes ist eher kühles, nasses Wetter angesagt. Manchmal werden sogar ehemalige Hurrikane durch Jetstreams von den USA über den Atlantik bis zu uns gezogen.

Jetstreams besitzen eine tückische und für die Fliegerei in großer Höhe gefährliche Eigenart: An ihren Rändern nimmt die hohe Windgeschwindigkeit schnell ab und wird stark verwirbelt. Diese Clear Air Turbulenz oder Klarsicht-Turbulenz ist nicht immer zu erkennen und kommt meist ohne jede Bewölkung bei klarer Luft vor. Piloten haben vor dieser Erscheinung großen Respekt. Wegen dieser Gefahr muss gelegentlich in Passagierflugzeugen der Bordservice eingestellt werden, denn durch Clear Air Turbulenzes sind schon Stewardessen an die Decke geschleudert und verletzt worden.

Auf Langstreckenflügen ist der kürzeste Weg nicht immer der schnellste. Dies hat seine Ursache in den Jetstreams, die für hochfliegende Flugzeuge wie beispielsweise Passagier-Jets extremen Gegenwind darstellen können. Die Flugzeiten würden wesentlich verlängert werden - sofern der Treibstoff überhaupt ausreichte. Aus diesem Grund werden in der Luftfahrt oft bewusst Umwege gemacht. Andererseits kann eine genaue Kenntnis des Jetstream-Verlaufs ausgenutzt werden um Treibstoff und Zeit zu sparen. Dies wurde erstmals im Jahr 1952 vorgeführt, als es gelang, die Strecke von 6300 Kilometern von Tokio nach Hawaii nonstop in nur elf Stunden zurückzulegen. Vorher war stets eine Zwischenlandung zum Auftanken notwendig gewesen.